Rockjahr 2015 Neue Sterne am Festivalhimmel

Von Melanie Heike Schmidt | 16.01.2015, 18:02 Uhr

Selten war der Ausblick auf die Festivalsaison so spannend. Freunden der härteren Gangart bietet das Musikjahr 2015 gleich zwei ganz neue Rockevents. Hinzu kommt Bewährtes an neuen Orten. Ein Überblick:

Rock/Metal: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. In diesem Fall der Fan von Rock- und Metalmusik unter freiem Himmel, er darf sich gleich zwei Zusatzevents auf die Auswahlliste schreiben. Denn nach dem Schock über das Aus von Deutschlands bekanntestem Rockfestival, dem „Rock am Ring“ auf dem Nürburgring, gibt es nicht nur feinen Ersatz am gleichen Ort, sondern auch ein neues „Rock am Ring“ . Das bietet unter dem alten Markennamen ein top Line-up, allerdings nach 29 Jahren am Nürburgring erstmals auf dem Bundeswehrflugplatz Mendig in der Vulkaneifel. Damit ging der Streit zwischen Rock-am-Ring-Erfinder Marek Lieberberg und dem Nürburgringbetreiber zumindest musikalisch gut aus.

Die Fans freut’s, mehr als 100000 Tickets sind laut Lieberberg für den alten „Rock am Ring“ am neuen Ort und das Zwillingsfestival „Rock im Park“ (beide 5. bis 7. Juni) bereits verkauft. Kein Wunder, denn mit den Foo Fighters aus den USA, den Toten Hosen aus Düsseldorf, dem Ausnahme-Gitarrenhelden Slash oder Gruselrocker Marilyn Manson (mit neuem Album im Gepäck) ist das Line-up hochkarätig.

Wer jetzt schon das Festivalgelände am Nürburgring vermisst, sollte sich das letzte Maiwochenende freinehmen. Hier steigt unter neuer Regie das Festival „Der Ring – Grüne Hölle Rock“ (29. bis 31. Mai) mit den Krachern Muse, Metallica und Kiss. Wer lieber weiter in den Süden reist, kann das ebenfalls neue und parallel stattfindende Schwesterfestival „Rockavaria“ im Olympiapark München mit nahezu gleichem Line-up besuchen.

Fehlt noch was? Ach ja, Wacken natürlich. Das Klassentreffen der Metalheads ist wie immer längst ausverkauft, statt lahmer 48 Stunden hat es heuer nur zwölf Stunden gedauert, bis alle 75000 Tickets vergriffen waren. Macht nichts, viele Wacken-Bands (zum Beispiel Hippie-Rocker Rob Zombie oder die Hamburger Dark-Rocker Lord of the Lost) gibt’s auch anderswo zu hören.

Gothic/Rock/Electro: Zum Beispiel beim M’era Luna (8. bis 9. August) in Hildesheim. Das größte Musikfest der schwarzen Szene ist wie immer bunt bestückt, neben den sperrigen Urgesteinen Einstürzende Neubauten um Allroundkünstler Blixa Bargeld hat sich auch Indie-Ikone Philipp Boa samt seinem Voodooclub angesagt. Mittelalterfans können bei gleichnamiger Band in Tanzwut verfallen, Saltatio Mortis bürgen für flotten Mittelalterrock mit schlauen Texten.

Metal-Freunde werden sich an Coppelius aus Berlin erfreuen, die von sich behaupten, im Jahr 1902 hängen geblieben zu sein. Dafür bieten sie ziemlich modernen Metal auf alten Instrumenten feil und tragen die höchsten Zylinder, die je auf einer Festivalbühne gezeigt wurden. Das Ganze nennt sich Steampunk. 25000 Besucher wird es freuen.

Weit elektronischer geht es beim Amphi-Festiva l (25. bis 26. Juli) in Köln zu, wo sich mit VNV Nation um den irischen Frontmann Ronan Harris die wohl derzeit beste Electroband der Szene angesagt hat. Depeche-Mode-Fans kommen bei dem zweiten Headliner And One auf ihre Kosten, wer es krachiger und klassischer mag, tanzt zu Front 242 aus Belgien. Dass technisch alles glatt läuft, darf man annehmen: Das Festival zieht um in die Lanxess-Arena und einige angrenzende Flächen und Gebäude. Die Fans, die die gemütliche Atmosphäre im Tanzbrunnen stets lobten, ziehen mit: Der Verkauf laufe bisher sogar besser als in den Jahren zuvor, teilte die Amphi-Pressestelle mit. Vermutlich wird das seit Jahren ausverkaufte Musikfest in der Domstadt seinen eigenen Rekord von 16000 Besuchern toppen.

Rock/Pop/Hip-Hop: Eine sichere Bank ist das Hurricane-Festival (19. bis 21. Juni) auf dem Eichenring in Scheeßel. Wie immer sorgen die Veranstalter auch in den zweiten und dritten Reihen (sprich auf den kleinen Bühnen) für eine feine Auswahl der Bands. So wird etwa der Liedermacher Olli Schulz zeigen, dass er nicht nur herrlich albernes Liedgut beherrscht, sondern auch ernstes bis melancholisches. Dass Jan Delay, Cro oder Marteria neben ihrer Musik auch Entertainer-Qualitäten haben, passt bestens zur Stimmung des niedersächsischen Festivalklassikers, zu dem jährlich 70000 Fans anreisen.

Als Headliner lohnen sich besonders Placebo aus Großbritannien mit ihrem charismatischen Frontmann Brian Molko. Bleibt zu hoffen, dass die Band nicht den in Scheeßel gefürchteten „English Summer Rain“ mitbringt. Immerhin haben sie vor Jahren ein Lied gleichen Namens komponiert.