Reproduktionsbiologie wie Büchse der Pandora Lesung von Sibylle Lewitscharoff im Blue Note

Von Anne Reinert | 08.07.2014, 01:38 Uhr

Und dann hatte am Ende doch niemand gefragt. Die Littera-Lesung von Sibylle Lewitscharoff im Osnabrücker Blue Note ist völlig ohne Kontroverse über ihre umstrittene Dresdener Rede verlaufen. Dabei hatte die Autorin gleich zu Beginn gesagt, sie sei offen für „kritische Anmerkungen“.

Stattdessen verlief die rund einstündige Veranstaltung so wie die meisten Lesungen. Die 60-jährige Lewitscharoff las aus ihrem Krimi „Killmousky“ und beantwortete Fragen aus dem Publikum. Die drehten sich ausnahmslos um das aktuelle Buch der Büchner-Preisträgerin.

Warum sie einen Krimi geschrieben habe und wie sie dazu gekommen sei, ihn nach der Katze Killmousky im Buch zu benennen , wollten die Zuhörer wissen. Dabei hatten viele Lesungsbesucher mit einer Diskussion über Lewitscharoffs Dresdener Rede im März gerechnet, in der sie künstlich gezeugte Kinder als „Halbwesen“ bezeichnet hatte. Doch selbst zu fragen, hatte sich offenbar niemand getraut.

Ihre Rede sei in der Presse auf einige Begriffe verkürzt worden, sagte Sibylle Lewitscharoff nach der Lesung gegenüber unserer Redaktion. Den Begriff „Halbwesen“ hatte sie kurz nach der Rede zurückgenommen und bedauert. Allerdings sei sie falsch verstanden worden. „Ich bin Religionswissenschaftlerin. „Halbwesen“ bedeutet für mich griechischer Halbgott“, erklärte sie. Ihre kritische Haltung zur Reproktionsbiologie bekräftigte sie dagegen. „Das ist wie die Büchse der Pandora“, sagte. Es werde ein Fass aufgemacht, ohne die Folgen zu bedenken.