Purist und Weltstar: Architekt Tadao Ando wird 70 Jahre alt Schrein auf dem Wasser

Von Dr. Stefan Lüddemann | 12.09.2011, 20:00 Uhr

Innen ein hermetischer Kubus aus samtigem Beton, außen eine lichte Hülle aus Glas: Wie ein eingekapselter Schrein liegt es auf spiegelglatter Wasserfläche – das Gebäude der 2004 in der Nähe von Neuss eröffneten Langen-Foundation. Das private Kunstmuseum auf dem Areal der Museumsinsel Hombroich entwarf mit Tadao Ando einer der Weltstars der Architektur. Heute wird der im japanischen Osaka geborene Baumeister 70 Jahre alt.

Der Museumsbau, übrigens sein einziger größerer Bau in Deutschland, repräsentiert Andos Philosophie eines geradezu asketischen Bauens perfekt. Der Japaner zelebriert das strenge Gebäude nicht allein als Solitär, der auf dem Wasser zu schweben scheint, sondern leitet den Besucher auch durch ein Tor auf das Areal des Hauses. Einen langen Weg lang nähert sich der Besucher – und hat damit Zeit, die perfekte Schönheit dieses Kubus zu betrachten und den viel größeren Museumskörper zu bemerken, den Ando weitgehend in den Boden absenkte. Dezenz, Zentrierung, Reinheit, Stille, Konzentration: Andos Baustil dekliniert die Grundformen japanischer Ästhetik durch – in perfekter Weise natürlich.

Dabei hat sich Tadao Ando sein Wissen autodidaktisch angeeignet. 1970 gründete er sein Architekturbüro in Osaka, 1976 sorgte er mit seinem in der gleichen Stadt errichteten „Azuma-Haus“ für Furore. Dabei wirkt das schmale Wohnhaus von der Straßenseite aus nur wie eine karge Betonstele mit Türschlitz. Doch innen inszeniert Ando auf unglaublich wenigen Quadratmetern einen erstaunlich subtilen Raumzauber.

Das winzige Wohnhaus mit innerer Weite bringt bereits zur Geltung, was seitdem jeden Ando-Bau auszeichnet – wenige, aber edel verarbeitete Materialien, eine ausgefeilte Lichtregie und den präzisen Bezug zur Umgebung. Legendär ist längst die suggestive Lichtwirkung, die Ando in seiner „Church of Light“ (ebenfalls Osaka) mit dem Kreuzschnitt in der Stirnwand entfaltete, anhaltend zauberhaft die meditative Stille der „Kirche auf dem Wasser“, die der Architekt in Hokkaido mitten in idyllische Natur zauberte.

Der 1995 mit dem Pritzker-Preis, dem Nobelpreis der Architekten, ausgezeichnete Ando markiert als Architekt der gebauten Askese den beruhigten Gegenpol zu Meistern der turbulent zerdehnten oder zersplitterten Bauformen wie Frank O. Gehry, Daniel Libeskind oder Zaha Hadid. Andos Museen und Wohnhäuser verströmen stets die leise Aura eines Zen-Klosters. Bestes Beispiel sind die beiden schlank aufstrebenden „4x4-Häuser“, die Ando in Kobe wie zwei Wächter an das Meeresufer stellte. Wer hier zu Hause ist, bewohnt die irdische Ewigkeit. Der Blick geht durch raumgroße Fensterflächen ständig über die weite See.