Pro Jahr sollen 300000 Euro mehr fließen – Museum mit Deckungslücke – Erweiterungen haben Kosten gesteigert Land stützt die Kunsthalle Emden

Von Dr. Stefan Lüddemann | 24.07.2012, 15:00 Uhr

„Heute ist mir ein Stein vom Herzen gefallen“, sagt Eske Nannen, Geschäftsführerin der Kunsthalle Kein Wunder: Nach der Stadt Emden gibt auch das Land Niedersachsen mehr Geld für das Kunstmuseum, das zuletzt nach den Angaben Nannens eine Deckungslücke von 300000 Euro im Jahr 2011 aufgewiesen hatte.

Mit 300000 Euro fängt das Land zunächst die aufgelaufenen Schulden des Museums auf. Von 2014 an stockt das Land die Mittel um 300000 Euro auf 950000 Euro jährlich auf. 2012 sind von Bund und Land zusätzlich 250000 Euro zu erwarten. Das bestätigte Johanna Wanka, niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, gestern bei einem kurzfristig anberaumten Besuch in Emden. Die Stadt Emden hatte den Jahreszuschuss schon verdoppelt und auf 550000 Euro erhöht.

„Dieses kulturelle Leuchtturmprojekt im Nordwesten muss weiterhin ordentlich arbeiten können“, begründete Ministerin Wanka die verstärkte Landeshilfe. „Das Land Niedersachsen zeigt guten Willen, damit das Museum in ruhigeres Fahrwasser kommt“, sagte ergänzend der Sprecher des Kulturministeriums, Christian Stichternath. Auf das Museum könne Niedersachsen stolz sein, sagte Stichternath auf Anfrage weiter. Mit der Hilfe werde auch das erhebliche Engagement Eske Nannens bei der Einwerbung von Sponsorengeldern für die Kunsthalle gewürdigt.

Nach den Worten von Eske Nannen haben zwei unabhängige Gutachten ergeben, dass der Haushalt der Kunsthalle, der pro Jahr knapp drei Millionen Euro ausmacht, keinerlei Einsparpotenzial bietet. Nach den Angaben haben vor allem die Ausbauten der Kunsthalle zu einem zusätzlichen Geldbedarf geführt. Mit dem letzten Ausbau 2007 legte das Haus rund 1000 Quadratmeter Fläche zu. Im Jahr 2000 war die 1986 eröffnete Kunsthalle schon einmal erheblich erweitert worden, um die Sammlung des Münchener Kunsthändlers Otto van de Loo aufnehmen zu können.

Wie Christian Stichternath bestätigte auch Eske Nannen, dass neben Energiekosten und Unterhaltsaufwendungen vor allem der Ausstellungsbetrieb mehr Geld als noch vor Jahren kostet. Wechselausstellungen seien aber notwendig, um hohe Besucherzahlen zu erreichen. 2011 hatten 71000 Kunstinteressierte das Museum besucht. Nach den Worten von Eske Nannen sollen an der Qualität des Programms der Kunsthalle keine Abstriche gemacht werden.

„Stern“-Gründer Henri Nannen und seine Frau Eske hatten die Kunsthalle 1986 in Emden gegründet. Nannen brachte dafür seine Kunstsammlung und sein Vermögen in eine Stiftung ein. Schwerpunkt der Sammlung ist die Kunst des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit.(mit dpa)