Preisträgerin hat keinen Pass Remarque-Preis: Asli Erdogan kommt nicht nach Osnabrück

Von Dr. Stefan Lüddemann | 29.08.2017, 12:58 Uhr

Die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan wird den ihr zuerkannten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück nicht persönlich entgegennehmen können. Die Autorin darf die Türkei nicht verlassen.

„Wir bedauern das sehr“, sagte Sven Jürgensen, Sprecher der Stadt Osnabrück, auf Anfrage. Nach seinen Angaben hat der Anwalt der regimekritischen Autorin dem Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum mitgeteilt, dass die Autorin nicht zur Preisverleihung am 22. September 2017 nach Osnabrück reisen können wird. Der Grund: Die Autorin, die am 17. August 2016 verhaftet worden war, hat nach der Entlassung aus der Haft ihren eingezogenen Reisepass nicht zurückerhalten. Obwohl nach Angaben ihres Anwaltes ein Gericht das über die Autorin verhängte Ausreiseverbot aufgehoben hat, kann die Autorin nun das Land nicht verlassen. Trotz der Tatsache, dass nichts gegen eine Reise spräche, könne Asli Erdogan ihre Reisefreiheit nicht nutzen, heißt es in dem Schreiben des Anwaltes weiter. Hier weiterlesen: Osnabrück verleiht Remarque-Preis an Asli Erdogan.

Per Liveschalte dabei

„Das trifft uns natürlich nicht ganz unvorbereitet. Wir hatten aber gehofft, dass Asli Erdogan würde kommen können“, sagte Sven Jürgensen. Bereits bei der Zuerkennung des Preises im Mai 2017 sei klar gewesen, dass die Autorin, die das Regime des Präsidenten Recep Erdogan in Essays und Kolumnen kritisiert habe, womöglich nicht würde ausreisen können. Nach den Worten von Sven Jürgensen soll die Autorin zur Podiumsdiskussion am 21. September 2017 und zur Preisverleihung am folgenden Tag per Liveschalte anwesend sein. Dieses Verfahren war bereits während der Leipziger Buchmesse im März 2017 genutzt worden, um die verfolgte Autorin zu Wort kommen zu lassen.

Nach Putsch verhaftet

Asli Erdogan war 132 Tage in einem Istanbuler Frauengefängnis festgehalten worden. Die Autorin war zusammen mit 22 anderen Journalisten der Zeitung Özgür Gündem, für die sie zeitkritische Kolumnen geschrieben hatte, im Rahmen der sogenannten Säuberungen nach dem versuchten Militärputsch in der Türkei festgenommen worden. Wegen ihres angeschlagenen Gesundheitszustandes war sie aus der Haft freigekommen. Das ihr auferlegte Ausreise verbot war danach aufgehoben worden. Der Entzug des Reisepasses verhindert nun faktisch ihre Ausreise. Hier weiterlesen: Asli Erdogan, Stimme der Frauen - der Kommentar.

Kampf für Menschenrechte

Die Jury des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises würdigte Asli Erdogan bei der Bekanntgabe der Preisvergabe als „bedeutende Autorin“ und Kämpferin für die Menschenrechte“. Es sei ihr gelungen, in ihren Texten „die Auswirkungen der politischen Verhältnisse in der Türkei auf die Menschen und ihren Alltag“ zu schildern, wurde die Vergabe des Preises an die Autorin begründet. „Es ist ihr gelungen, die Schrecken, die Gewalt und Krieg insbesondere auf Frauen ausüben, transparent zu machen“, sagte sagte Jury-Präsident Wolfgang Lücke. „Noch nie war ein Träger des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises so nah an Remarque selbst dran“, hob Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) die enge Verwandtschaft zwischen Erdoğan und dem in Osnabrück geborenen Autor des Antikriegs-Klassikers „Im Westen nichts Neues“ Erich Maria Remarque hervor, nach dem der seit 1991 vergebene Preis benannt ist.