Plädoyer für die Kultur des ländlichen Raumes beim Landschaftstag – Kloster Malgarten und FilmForum ausgezeichnet „Hannover, gib uns mehr Geld!“

Von Dr. Stefan Lüddemann | 21.09.2011, 14:43 Uhr

Schlank formuliert, klar positioniert: „Hannover, gib uns mehr Geld“, sagte Landrat Manfred Hugo (CDU) gestern zum Auftakt des Landschaftstages 2011 im Haus Ohrbeck in Georgsmarienhütte bei Osnabrück. Zu seiner letzten Amtshandlung erlaube er sich eine „flapsige Formulierung“, bekannte Manfred Hugo, der ein stärkeres Engagement des Landes für die regionale Kulturarbeit einforderte.

Kein bisschen flapsig, sondern denkbar entschieden fiel sein Plädoyer für die Kultur im ländlichen Raum und vor allem für die Arbeit des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e.V. aus. Dem Verband sei es zu verdanken, dass der Osnabrücker Raum kulturell bestens vernetzt sei. Hugo zitierte den jüngsten Evaluationsbericht des Landschaftsverbandes, wonach jeder eingesetzte Euro Fördergeld durch andere Geldgeber versiebenfacht worden ist. Zugleich werde mit der Zahl aber auch das Dilemma der Kulturförderung deutlich. Kultureinrichtungen müssten „zunehmend Fantasie entwickeln, um ihre Projekte auf unterschiedliche Finanzsäulen zu stellen“.

Ein Plädoyer für die Kultur des ländlichen Raumes hielt auch Dr. Kai Reichel-Heldt (boxoffice Filmmarketing Hamburg) als Festredner des Landschaftstages. Er kritisierte den kulturpolitischen Trend, fast nur noch sogenannten „Leuchtturm-Projekten“ Aufmerksamkeit zu schenken und diesen überregional ausstrahlenden Kultureinrichtungen und -ereignissen besonders viel Fördergeld zukommen zu lassen. Damit werde Kultur nur noch als Standort- und Tourismusförderung verstanden, kritisierte Reichel-Heldt. Die Konsequenz aus seiner Sicht: Kulturmacher richten ihre Programme nach Wünschen von Sponsoren und Erfordernissen der Werbung aus. Dies führe zu einer „Profilüberdehnung“, sagte Reichel-Heldt gerade im Hinblick auf regionale Filmfestivals.

Ein solches Filmfestival, das Osnabrücker FilmForum e.V., wurde mit dem Kulturförderpreis des Landschaftsverbandes ausgezeichnet. Als „große Leistung“ würdigte Laudator Prof. Dr. Hans-Jürgen Wulff (Universität Kiel) die Arbeit von Birgit Müller, Holger Tepe und Karl Maier, die den Preis für das FilmForum entgegennahmen.

Ein Mäzen allererster Ordnung erhielt schließlich die Auszeichnung des Landschaftsverbandes. Dr. Andreas Wilhelm hat über Jahre Gebäude des Klosters Malgarten in Bramsche wiederhergestellt und den Ort zu einem weithin beachteten Zentrum der bildenden Kunst und der Musik gemacht. Er habe damit ein „kulturelles Kleinod“ geschaffen, sagte Laudator Prof. Dr. Jörn Ipsen (Universität Osnabrück). Ipsen bescheinigte dem Preisträger, als Mäzen im Wortsinn gehandelt zu haben. Die Auszeichnung sei nur „ein bescheidender Dank für eine großartige Leistung“.