Piepenbrock-Preis: Studierende stellen aus Mut zum Aufbruch in neue Medien

Von Dr. Stefan Lüddemann | 12.12.2013, 21:00 Uhr

Einmal mitten in einer „Grafikexplosion“ stehen? Durch Birkenwälder streifen oder überlegen, wie viel Lebenszeit eigentlich verwartet wird? Kein Problem: Im Fachgebiet Kunst der Universität Osnabrück gibt es Antworten – in der Ausstellung zum Piepenbrock-Kunstförderpreis.

Einmal im Jahr verwandeln Lehrende und Studierende des Fachgebietes Kunst die Unterrichts- und Werkräume des Kunstgebäudes in der Seminarstraße in eine Kunstausstellung. Die für den Piepenbrock-Kunstförderpreis nominierten Nachwuchskünstlerinnen und -künstler zeigen dann eine Woche lang ihre Arbeiten, nach Kunstgattungen und akademischen Klassen sortiert.

Von der Fotografie im Untergeschoss über die Bildhauerei im Erdgeschoss bis hin zur Malerei im dritten Obergeschoss führt der Weg durch das ganze Gebäude. Auch in diesem Jahr verstärkt sich ein Trend, der sich seit einiger Zeit klar abzeichnet: Die Bandbreite künstlerischer Sprachen und Themen hat sich noch einmal deutlich erweitert. Viele Studierende haben den Mut, in neuen Medien zu arbeiten oder installative Projekte zu wagen.

So montiert Tobias Kirchhoff in einem Atelierraum ein komplettes Environment aus gezackten Formen – Durchblicke und Video inklusive. Sehr ambitioniert. Anastasia Geiger und Anna Horreis filmen ein „Re-enactment“: Für ihren Streifen montieren sie Szenen aus dem Spielfilm „Stolz und Vorurteil“ mit Keira Knightley und Aufnahmen einer jungen Frau, die im Stil der Spielfilmvorlage durch Osnabrück streift – ein spannendes Spiel von Vorlage und Aneignung. Oder die Bildhauerei: Hier inszeniert Eileen Kronshage nach Francisco de Goya „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“. Kronshage lässt ihre aus Pappmaché und Gips geformten, schneeweißen Gebilde aus Wänden und Boden wachsen – ein Grenzgang zwischen Form und ihrer Auflösung.

Natürlich hält die Ausstellung auch konventionellere Arbeiten bereit. Ob das „Birken-Triptychon“ von Antonia Hoffmann oder Bilder, deren Titel „Konträre Energiefelder. Ruhige Dynamik“ ihrer künstlerischen Unentschiedenheit entspricht. Besser wirken da die Bildmontagen von Sarah Ramlow, die der Frage nachgehen, wie viel Zeit im Leben eigentlich bloß mit Warten zugebracht wird.

Und wer sind nun die Favoriten? Hier drei Arbeiten, die kein Besucher verpassen sollte. Platz eins: Anahi Beatriz Cespedes Arias zeigt junge Frauen „In der Schwebe“. Ihre Digitalfotografien kombinieren lastend schwere Betonarchitekturen mit surreal schwebenden Körpern. Platz zwei: Jan-Hendrik Brinkmann inszeniert seine „Grafikexplosion“. Dafür zerfetzt er seine Drucke, hängt die Bruchstücke zu Bildern im Raum – sehr fantasievoll. Platz drei: Julia Wiens hat den Mut zum Rahmen sprengenden Porträt. Kraftvoll ihr „Marcel Reich-Ranicki“, ein Bildnis, das mit dem zerfurchten Gesicht Spuren eines langen Lebens zeigt. Drei Arbeiten, drei Treffer – sie allein lohnen den Besuch.