Papenburger ist Sammler der anderen Art Hermann-Josef Buntes Faible für die Kunst

Von Dr. Stefan Lüddemann | 22.03.2014, 08:00 Uhr

Sein Faible sind die vergessenen Künstler: Der Papenburger Hermann-Josef Bunte ist ein Kunstsammler der etwas anderen Art. Bielefeld zeigt seine Sammlung.

Er ist ein Mann der leisen Töne - und der starken Meinung. Denn Hermann-Josef Bunte geht einen für Kunstsammler eher ungewöhnlichen Weg. Er greift nicht nach der Kunst der Stars. Große Namen lassen ihn kalt. Die Bilder von Gerhard Richter oder Sigmar Polke sucht man in seiner Kollektion vergebens. Er hält es eher mit Hermann Stenner oder Victor Tuxhorn. Doch wer kennt diese Künstler? Ihre Werke wären eher Sache der Experten, wenn Bunte nicht wäre. Er hebt Künstler aus dem Vergessen, indem er ihre Bilder kauft. Hermann Stenners Werke fielen ihm vor 40 Jahren in einer kleinen Ausstellung der Bielefelder Kunsthalle auf. Bunte war sofort Feuer und Flamme, kaufte Bild um Bild. Heute gehört ihm das halbe Werk des Malers, der im Begriff war, ein Star der Kunst zu werden. Der frühe Kriegstod im Alter von 23 Jahren beendete sein Leben.

Jetzt ist Bunte wieder in Bielefeld. Nach langen Jahren in Hamburg lebt er wieder in der westfälischen Metropole. Bunte lehrte von 1969 bis 1986 Rechtswissenschaften lehrte, bevor an die Universität der Bundeswehr nach Hamburg ging. Die Bielefelder Kunsthalle zeigt Buntes Kollektion. Rund 400 Werke stellt das Museum aus und zeigt damit fast die komplette Privatsammlung. Bislang präsentierten 2001 das Kunstmuseum in Ahlen und 2012 das Bonner August-Macke-Haus Teile der Bunte-Sammlung. Der Bielefelder Kunsthallen-Direktor Friedrich Meschede brachte nun gar den Gedanken ins Spiel, der Sammlung Bunte in Bielefeld ein eigenes Museum einzurichten.

„Es wäre natürlich schön, wenn meine Sammlung zusammenbleiben könnte“, sagt Hermann-Josef Bunte. Konkrete Pläne gäbe es bislang aber nicht. Kein Wunder, denn Bunte fahndet ständig nach neuen Bildern und Dokumenten. „Was das Werk Stenners angeht, bin ich Marktführer“, sagt er mit einem Lachen. Ständig fahndet er nach neuen „Stenners“, achtet auf Veräußerungen aus Familiennachlässen, sucht nach Dokumenten. So spürte er zum Beispiel die letzte Postkarte, die Stenner 1914 an seine Eltern schrieb, gleichfalls in einem Nachlass auf. Bunte agiert aber auch auf dem Kunstmarkt. So lieferte er nach einem Bericht des „Handelsblatts“ 2011 Stenners Gemälde „Grüne Frau mit gelbem Hut II“ im Kölner Auktionshaus Lempertz ein. Der Preis: 132.000 Euro - ein fantastischer Preis für einen bislang in breiteren Kunstkreisen eher kaum bekannten Künstler.

Hermann-Josef Bunte hat über Jahrzehnte auch entlang seiner biographischen Stationen gesammelt. Er begann mit den Gemälden von Heiner Altmeppen, einem fotorealistisch arbeitenden Künstler aus Buntes Geburtsregion. In Hamburg wandte sich Bunte den Künstlerinnen und Künstlern der Hamburger Sezession zu. Und in Westfalen entdeckte er die Expressionisten der Region, neben Stenner unter anderen Peter August Böckstiegel. Bunte hat sich stets für die bislang übersehenen oder von Fachleuten und Kunsthandel unterschätzten Künstler entschieden. Das vereint seine disparaten Sammlungsgebiete. Bunte bekennt sich zu seinem Enthusiasmus: „Alles Geld, was ich hatte oder auch nicht hatte, habe ich in die Kunst gesteckt“, bekennt er freimütig. Und: „Ich möchte meine Sammlung der Öffentlichkeit zeigen“.

Das Engagement ist also groß. Dennoch bleibt Zeit für das private Leben. „Wir sind ab und zu auch noch in Papenburg. Wir haben noch ein Haus dort“, sagt Bunte. Seinen Geburtsort behält er so ständig mit im Blick.