Osnabrück: Performance „Flugplan“ Maria José Arjona zitiert Richter und Man Ray

Eine Kolumne von Dr. Stefan Lüddemann | 01.02.2016, 13:00 Uhr

In ihrer Performance „Flugplan“ legt Maria José Arjona ihren Kopf auf die Seite. Sie zitiert damit berühmte Bilder von Gerhard Richter und Man Ray.

Dieser stille Blick geht besonders unter die Haut: In ihrer Performance „Flugplan“, mit der sie am Sonntag, 31. Januar 2016 ihr Osnabrücker Kunstprojekt „You are splendid!“ eröffnete, steckte Performancekünstlerin Maria José Arjona ihren Kopf in einen Vogelkäfig und legte ihn auf die Seite. Aus dieser Position richtete sie einen intensiven Blick auf die Betrachter ihres Tabelau vivant. Die Performerin bildete mit Vogelköfig und einem mit Objekten besetzten Tisch ein durchgehendes lebendes Bild. Arjona hatte ihren Körper schwarz verhüllt. Ihr im Vogelbauer platzierter Kopf wirkte auf diese Weise wie ein Objekt, allerdings eines mit blickenden Augen. Ein surrealer Effekt. Hier weiterlesen: „Flugplan“ - so war die Performance von Maria José Arjona. 

Der Kopf zwischen Objekt und Körper: Mit diesem gestalterischen Balanceakt zitierte Arjona berühmte Vorbilder. Gerhard Richter malte 1977 das Porträt seiner 1968 geborenen Tochter Betty . Für das Bild wählte Richter eines von drei Porträtfotos seiner Tochter aus seiner Fotosammlung „Atlas“. Auf diesem Foto liegt der Kopf des Mädchens auf der Seite. Das Gemälde war 2007 auf der Documenta 12 im Kasseler Museum Fridericianum ausgestellt. Richter lässt auch aus dem auf die Seite gelegten Kopf seiner Tochter einen fragend intensiven Blick auf den Betrachter fallen. Mit dieser Pose steigert Richter den Ausdruck des Porträts in markanter Weise. Hier weiterlesen: Maria José Arjona - die Termine der Performances .

 Der Fotograf Man Ray hatte auf seinem berühmten Foto „Black and White“ von 1926 gleichfalls mit dem surrealen Verfremdung des Kopfes zum Objekt gespielt. Auf dem Bild hat die Sängerin und Künstlerin Kiki de Montparnasse (1901-1953) ihren Kopf auf die Seite gelegt. In der Hand hält sie eine aufrecht stehende afrikanische Zeremonialmaske. Kopf und Maske korrespondieren in ihrer ovalen Form und ihrem Schwarz-Weiß-Kontrast. Man Ray entfaltet so ein Vexierspiel zwischen Lebendigkeit und Künstlichkeit, europäischer und afrikanischer Kultur. Man Ray lässt die Maske wie ein Kopfporträt aufrecht stehen, legt aber den Kopf auf die Seite als wäre er ein Objekt. Hier weiterlesen: „You are splendid!“ - So wird das Kunstprojekt .

Mit den intensiv verstörenden Wirkungen dieser beiden berühmten Bilder arbeitet auch Maria José Arjona in ihrer Performance „Flugplan“. Sie steckt ihren Kopf in das Vogelbauer und nimmt so direkten Kontakt mit den Tieren auf. Zugleich verfremdet sie ihren Kopf zum Bildobjekt in einem Tableau, das unter anderem nach dem Verhältnis von Lebendigkeit und Künstlichkeit fragt. Arjona entfaltet ein genau konzipiertes Spiel mit den Grenzen zwischen Kunst und Wirklichkeit. Die indirekten Zitate von Bildern Gerhard Richters und Man Rays verweisen auf den Beziehungsreichtum einer Performance, die ihre Bildmächtigkeit auch durch Bezüge auf berühmte Bilder der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts gewinnt.