Open Air: Der Schuh des Manitu Umjubelte Premiere in Tecklenburg

25.06.2013, 06:23 Uhr

Es ging richtig schräg zu. Und trotzdem oder gerade wegen der schrägen Irreführungen hat die Tecklenburger Open-Air-Premiere des Comedy-Musicals „Der Schuh des Manitu“ richtig viel Spaß gemacht.

Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand Bully Herbigs Kassenknüller seiner Zweitverwertung auf der Bühne zuführen sollte. 2008 war es im Berliner Theater des Westens so weit: Da ging die Musicalversion erstmals über die Bühne, immerhin nach einem Buch von Theaterroutinier John von Düffel. Für die erste Open-Air-Inszenierung in Tecklenburg hat sich nun Ulrich Wiggers der Westernpersiflage angenommen. Und das sehr gut.

Einzig Alexander Klaws als „Ranger“ hatte Probleme, sich in seine – möglicherweise etwas undankbare – Rolle als tollpatschiger weißer Blutsbruder einzufinden. Den Apachen-Anführer Abahachi setzte Werner Bauer hingegen spritzig in Szene.

Weitere Farbfacetten brachten dessen schwuler Zwillingsbruder Winnetouch (André Haedicke) mit seiner Puder Rosa Ranch, der schwarze Immobilien-Gangster Santa Maria (Reinhard Brussmann) mit seinem lebenden „Aschenbecher“ Hombre (Julian Looman) und nicht zuletzt der von Thomas Hohler überzeugend gespielte fröhliche Grieche Dimitri mit seiner ouzogetränkten blau-weißen Taverne auf die große Bühne.

Nachdem bereits vor der Pause Schoschonen-Sohn „Falscher Hase“ (Sebastian Brandmeir) allzu früh erschossen wurde, beschwerte er sich posthum, dass er ja noch gar nicht gesungen habe. Und bekam noch sein Abschiedslied, bevor er von Stammeshäuptling Listiger Lurch – mit Sinn für Komik dargestellt von Eric Minsk – in die ewigen Jagdgründe getragen wurde. Apachen-Großvater „Grauer Star“ hingegen durfte als tragisch verkannter Stagediving-Pionier vorübergehend wieder auferstehen für ein fulminantes Rock-Intermezzo.

Überhaupt riss das 60-köpfige Ensemble durch ohrwurmverdächtige Lieder und präzise Choreografien, beides arrangiert von Christopher Walker, immer dann mit, wenn die Dialoge allzu albern zu werden drohten. Das aufmerksame Orchester begleitete die Tanzeinlagen von Gangnam-Style bis Sirtaki abwechslungsreich und mitreißend. Und am Ende, kurz nach Einbruch der Dämmerung, wurde es noch richtig romantisch, sogar fast ein bisschen kitschig, als die von Femke Soetenga leidenschaftlich verkörperte Barsängerin Uschi mit viel Pathos und eindringlichem Sopran ihr zerrissenes Liebesleid in den bedeckten Tecklenburger Nachthimmel seufzte. Der lieferte gemeinsam mit den im Wind raschelnden Bäumen eine ungebändigte Naturkulisse – passend für ein wildes Western-Musical.

Darsteller, Tänzer, Chor, Solisten und Musiker haben so alles richtig gemacht. Keine Sekunde Langeweile und minutenlange stehende Ovationen nach rund zweieinhalb Stunden turbulent-kurzweiligem Wildwest-Spektakel belegten dies am Premieren-Abend.

Weitere Aufführungen vom 28. Juni bis 25. August. Infos und Karten unter www.freilichtspiele-tecklenburg.de oder Telefon 05482-220.