Wohin geht es mit der Kultur? Olaf Zimmermann: Corona hat die Jüngeren sozialisiert

Von Stefan Lüddemann | 05.07.2022, 01:00 Uhr

Kommen der Kultur die Besucher abhanden? Kulturpolitiker suchen nach Konzepten für die Zeit nach Corona. Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat blickt mit Sorgen auf die Jungen.

Die Lockdowns gehören vorerst der Vergangenheit an. Die Kultur ist für Olaf Zimmermann deshalb noch lange nicht gerettet. "Die Pandemie ist für den Kulturbereich noch nicht vorbei. Wir sind noch nicht durch mit diesem Thema", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates. Nach seinen Worten haben die Kulturhäuser eindeutig noch nicht wieder jenen Stand an Besucherzahlen erreicht, die vor Corona normal waren. Dass jetzt das Leben wieder normal läuft, müsste auch der Kultur Auftrieb geben, oder? "Die Menschen haben schon Hunger nach Kultur. Sie kommen nur bislang noch nicht wieder ausreichend zurück. Ich hoffe, dass dies keine dauerhafte Situation bleibt", zieht Zimmermann skeptisch Zwischenbilanz.

Ältere trauen sich noch nicht wieder in Kulturhäuser

Die Älteren trauen sich noch nicht wieder in die Häuser der Hochkultur, weil sie weiter die Ansteckung fürchten. Die Jungen haben sich in zwei Jahren Pandemie an Netflix auf dem Sofa gewöhnt. Für Zimmermann teilt sich das Kulturpublikum vor allem in diese zwei Gruppen auf. "Wir müssen uns darüber klar sein, dass die zwei Jahre der Pandemie mit ihren Lockdowns die Sozialisierung der Jüngeren, gerade im Hinblick auf Kultur, sehr geprägt haben. Die Kulturhäuser werden heftig darum kämpfen müssen, um diese kulturellen Prägungen zu verändern", analysiert der Geschäftsführer des Kulturrates. Diese Lage wird sich nach seiner Einschätzung nicht von selbst verändern.

Kampf um öffentliche Mittel immer schwerer

Worum geht es jetzt? "Der Kulturrat kämpft darum, dass die Fördermaßnahmen für die Kultur, die bis Ende 2022, teilweise bis Mitte 2023 terminiert sind, noch bis Ende 2023 weitergeführt werden. Zugleich ist klar, dass der Kampf um öffentliche Mittel für die Kultur immer schwerer werden wird, gerade in den Kommunen", sagt Zimmermann weiter. Der Kulturexperte wünscht sich, dass die Kulturetats in ihrer aktuellen Höhe wenigstens erhalten bleiben.

Mögliche Kriegsschäden an deutscher Kultur?

Unterdessen beschäftigt Zimmermann noch ein anderes Thema. Er macht sich Sorgen um die Kulturschätze in Deutschland - im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine. "Der Krieg in der Ukraine zeigt uns, dass wir uns auch mit der Frage beschäftigen müssen, wie die Kultur in Deutschland vor möglichen Kriegsschäden geschützt werden könnte, im Fall einer hoffentlich nicht eintretenden Katastrophe. Aber was passiert bei einer Ausweitung des Krieges?". Olaf Zimmermann sieht Deutschland für einen solchen Fall schlecht gerüstet. Es fehlten geeignete Depots und Notfallpläne.

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