Neues Projekt mit Zeitzeugen Erinnerungskultur geht alle an

Meinung – Dr. Stefan Lüddemann | 02.02.2017, 19:25 Uhr

Neue Datenbanken für die kollektive Erinnerung: Das Projekt ist gut. Daten müssen allerdings auch vermittelt werden, um das gemeinsame Gedenken festigen zu können.

Generationenwechsel verändern die kollektive Erinnerung ebenso wie der Übergang zu neuen Trägermedien oder offene Angriffe auf jenen gesellschaftlichen Konsens, auf den jede Erinnerungskultur angewiesen ist. All dies trifft derzeit in Deutschland zusammen. Deshalb muss an kollektiver Erinnerung weiter gearbeitet werden. Hier weiterlesen: Prekäre Erinnerung? Gedächtnis braucht gemeinsame Arbeit heute. 

Digitale Datenbanken mit Zeitzeugeninterviews wirken doppelt. Sie konservieren die Berichte der Menschen, die dabei waren, und sichern deren Erinnerungen im digitalen Medium. Damit ist allerdings nur eine Datenbasis gelegt. Das kollektive Gedächtnis ist auf Zeugnisse angewiesen. Sie müssen allerdings auch erschlossen, vermittelt und zum Gesprächsthema gemacht werden, um wirksam werden zu können. Dafür bedarf es neuer Strategien. Erinnerungskultur ist kein Bestand, sie ist permanente Aufgabe. Hier weiterlesen: Nazi-Rhetorik: Wie die AfD auf Stimmenfang geht. 

Rechtspopulisten stellen Erinnerungskultur, die zum Kern deutscher Identität gehört, dreist infrage. Das gilt vor allem für die fortdauernde Erinnerung an den Holocaust. Gerade diese Erinnerung muss aber weitergehen. Das kollektive Gedächtnis geht alle an – auch als gemeinsame Aufgabe.