Nach Hetzrede bei Pegida-Demo Buchhandel schmeißt Romane von Akif Pirinçci aus dem Programm

Von Sven Kienscherf | 26.10.2015, 20:00 Uhr

Namhafte Buchhändler wie Amazon und Thalia haben auch die Katzen-Romane von Akif Pirinçci aus dem Programm genommen. Der Schriftsteller hatte auf einer Pegida-Kundgebung eine heftig kritisierte Rede gehalten.

Der Branchendienst des Buchhandels Boersenblatt.net meldete am Montag, dass auch die Romane des Bestseller-Autors fast nirgends mehr lieferbar seien. (Weiterlesen: Hetz-Rede bei Pegida: Wer ist Akif Pirinçci?) 

Demnach hat der Buchhandel nicht nur Pamphlete wie „Deutschland von Sinnen“ und das aktuelle Buch „Die große Verschwulung“ ausgelistet. Auch die Katzenkrimis, mit denen Pirinçci vor über 20 Jahren berühmt wurde, werden von vielen Buchhändlern nicht mehr auf Lager geführt und nicht mehr auf Kundennachfrage bestellt.

Bei Amazon, Thalia, Hugendubel, Weltbild, buecher.de und ebook.de ließen sich online die Bücher nicht mehr ordern. Auch Buchhandel.de habe inzwischen acht Titel des Autors ausgelistet, heißt es weiter.

Verlag liefert weiter aus

Lieferbar bleiben die umstrittenen Schriften Pirinçcis „Deutschland von Sinnen“ und „Die große Verschwulung“ beim Verlag Manuscriptum, in dem die Bücher auch erschienen. Zwar hatte der Verlag dem Schriftsteller nach eigenen Angaben bereits vor der Pegida-Rede gekündigt. Die Bücher blieben aber bestellbar, heißt es auf der Homepage.

In einem Interview mit dem „Stern“ sagte Pirinçci, er bedauere seine Äußerung auf der fremdenfeindlichen Pegida-Kundgebung. Auftritt und Rede seien ein Riesenfehler gewesen. Auf der Pegida-Veranstaltung hatte er unter anderem von „Moslemmüllhalde“gesprochen.

Für Aufsehen sorgte vor allem der Satz „Die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb.“ Pirinçci hatte diesen Satz allerdings nicht auf Flüchtlinge bezogen. Vielmehr versuchte er damit, deutsche Politiker zu verunglimpfen, die – so seine Wortwahl – „zunehmend als Gauleiter gegen das eigene Volk“ agierten. Anlass war laut Spiegel Online eine Veranstaltung im Regierungsbezirk Kassel.

Der Regierungspräsident Walter Lübcke hatte gesagt, „wer diese Werte nicht vertritt, kann Deutschland jeder Zeit verlassen.“ Damit hatte der CDU-Politiker laut der Tageszeitung HNA auf Zwischenrufe bei einer Veranstaltung in Lohfelden reagiert. Dort ging es um die Erstaufnahme-Unterkunft des Landes Hessen in einem ehemaligen Gartenmarkt. Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt wegen der Rede Pirinçcis auf der Pegida-Kundgebung.

 Mit Material der dpa