Nach einer wahren Geschichte „Conjuring 2“: Wie gut ist die Fortsetzung des Horrorfilms?

Von Frank Jürgens | 17.06.2016, 13:17 Uhr

Für die wirkungsvolle Fortsetzung der „wahren“ Horrorgeschichte „Conjuring“ reist das Dämonenjägerehepaar zum Enfield Poltergeist ins schaurige London von 1977.

Immer diese verfluchten Akademiker! Da reist man in aufklärerischer Absicht von einer US-Fernsehtalkshow zur nächsten, und diese ungläubigen Doktoren und Professoren haben nichts als Zweifel und Verachtung für all die Spukgeschichten übrig, die das Geister jagende Ehepaar Ed und Lorraine Warren ( Patrick Wilson und Vera Farmiga ) von sich geben. Wer war denn dabei – na? Also! Noch während Ed wutschnaubend aus der „Becky Rivers Show“ stapft, gerät eine Familie auf der anderen Seite des Ozeans in die Fänge eines Poltergeistes, der es locker mit jenem aus dem Amityville-Horror aufnehmen könnte.

Alle Register des Vorgängers

Um es gleich vorwegzunehmen – wer sich bei „ The Conjuring „ vor drei Jahren im Kino so richtig gruseln konnte und dies wieder tun möchte, der sollte auf gar keinen Fall die neue Geschichte um das Dämonenjägerehepaar verpassen. Die Fortsetzung „Conjuring 2“ zieht alle Register ihres Vorgängers. Wobei Fortsetzung nicht ganz korrekt ist. Schließlich lässt sich der neue Fall der Warrens auch weitestgehend ohne Vorkenntnisse erschließen.

Zu den Klängen des 1979 veröffentlichten Punk-Klassikers „London Calling“ von The Clash geht es nun also ins schaurige London des Jahres 1977, wo die alleinerziehende Mutter Peggy Hodgson (Frances O’Connor) mit der Tatsache konfrontiert wird, dass ihre elfjährige Tochter Janet (sehr talentiert: Madison Wolfe) beim heimlichen Rauchen in der Schule erwischt wurde. War das wirklich nur Tabak in der Zigarette?

Maggie Thatcher Horrorshow

Schon bald spukt es gewaltig in Janets Kinderzimmer. Janet spricht mit fremder Zunge. Harmlose Gebrauchsgegenstände verselbstständigen sich. Und dann verschwindet auch noch die Fernbedienung just in dem Moment, als Margaret Thatcher eine Rede im Fernsehen hält. Echt Horrorshow! Nachdem die Hodgsons Asyl bei ihren Nachbarn finden und ein Fernsehteam auf den Fall aufmerksam wird, macht sich auch das Ehepaar Warren auf den Weg über den großen Teich, um mal zu schauen, was es mit „Englands Amityville“ auf sich hat.

Langsam sollte sich Produzent und Regisseur James Wan mit der Frage beschäftigen, ob er es mit dem von ihm wiederbelebten Trend des Spukhaus-Horrors nicht ein kleines bisschen übertreibt. Was bei „ Insidious „ noch wohltuend neu, weil bis dato lange nicht mehr so gesehen wirkte – Schemen, Schatten, ruhige Einstellungen und zurückhaltende Andeutungen, die allesamt das Kopfkino beflügeln – verliert in der Menge all der Fortsetzungen, Variationen und Spin-Offs nun doch allmählich an Wirkung.

Immerhin versteht sich Wan als geschickter Meister der Dramaturgie. Auch wenn „Conjuring 2“ mit 134 Filmminuten einige Längen aufweist, kommt kaum Langeweile auf. Allerdings nerven die ständigen Verweise auf „die wahre Geschichte“ (Vorspann) dieser dem Film zugrunde liegenden „Enfield Poltergeist“-Story. Vielleicht hätte man der im Film von Franka Potente verkörperten Psychologin Anita Gregory etwas mehr Platz einräumen sollen. Deren gesunde Zweifel an dem ganzen Spuk werden im Film zwar thematisiert, dann aber doch nur billig ausgeschlachtet.

Hier geht‘s zum Trailer.