Missglückte Satire – ein Kommentar „Titanic“-Cover zu Erdogan: Leider nur Shitstorm-Niveau

Meinung – Dr. Stefan Lüddemann | 29.07.2016, 18:36 Uhr

Das Satiremagazin „Titanic“ zeigt auf seinem Cover den türkischen Präsidenten Erdogan mit heraushängendem Wurst-Glied. Satire darf bekanntlich alles. Aber begibt sich die „Titanic“ damit nicht auf Shitstorm-Niveau?

Ja, Satire darf alles. Sie darf provozieren und verletzen, denn sie streitet für die Wahrheit. Nein, Satire sollte bei diesem Kampf nicht auf plumpe Mittel zurückgreifen. Wer selbst nur verunglimpft und persönlich verletzt, fügt auch dem besten Anliegen Schaden zu. Ja, die „Titanic“ soll ihr Titelcover mit dem Präsidenten Erdogan, dem die schlaffe Bratwurst aus dem Hosenstall hängt, publizieren dürfen. Nein, geglückte Satire ist das wiederum nicht. Hier weiterlesen: Das „Titanic“-Cover zu Recep Erdogan - darum geht es .

Dabei bringen die „Titanic“-Redakteure mit ihrem Cover, das wie eine Pennäler-Fantasie wirkt, etwas von jenem paranoid wirkenden Verfolgungswahn auf den Punkt, dem der türkische Präsident Recep Erdogan bei seinem Kampf gegen den eigenen Rechtsstaat, gegen Kultur, Medien und Zivilgesellschaft der Türkei bestürzend freien Lauf lässt. Aber die „Titanic“-Macher plagiieren visuell nicht nur das umstrittene Erdogan-Gedicht von Jan Böhmermann, sie fordern auch die nächste Strafanzeige von Erdogan heraus. Ist das nicht platt? Hier weiterlesen: Satire in Terrorzeiten - alles erlaubt? 

Ja, Satire darf alles, aber sie sollte so intelligent gemacht sein, dass sie sich über Shitstorm-Niveau erhebt. Denn es geht nicht um den Medienskandal, es geht um Erdogans Putsch gegen die Freiheit. Darüber muss geredet werden, ganz im Ernst und am besten frei von Satire. Hier weiterlesen: Die Erdogan-Debatte im Talk mit Maybrit Illner .