Lichtsicht-Biennale 2015 Robert Wilson zeigt „Video Portraits“ in Rothenfelde

Von Dr. Stefan Lüddemann | 16.03.2015, 06:57 Uhr

Lady Gaga bei der Lichtsicht-Biennale? Robert Wilson wird seine „Video Portraits“ bei der „lichtsicht 5“ zeigen. In Bad Rothenfelde besichtigte er die Gradierwerke.

Bekommen die Besucher der „lichtsicht 5“, der fünften Ausgabe der Biennale für Projektionskunst in Bad Rothenfelde, Porträts von Lady Gaga oder Johnny Depp, von Dita von Teese oder Brad Pitt im Riesenformat zu sehen? Robert Wilson wird jedenfalls eine Auswahl seiner berühmten „Video Porträts“ in dem Kurort bei Osnabrück zeigen. Auf eine Auswahl will sich Videokünstler und Regisseur Wilson noch nicht festlegen. In diesen Tagen projiziert er einige seiner „Porträts“ auf die elf Meter breiten und insgesamt einen Kilometer langen Gradierwerke, die das Ortsbild Bad Rothenfeldes prägen. (Weiterlesen: Lichtsicht-Biennale der Jahres-Höhepunkt in Bad Rothenfelde) 

Über diese mit Reisigbüscheln belegten Holzkonstruktionen rieselt Salzwasser. Für die Lichtsicht-Biennale geben sie eine gigantische Projektionsfläche ab. „Das ergibt eine unglaublich schöne Situation“, sagt Wilson, der Spezialist für die ganz großen und ganz langsamen Bilder.

Wilson ist mit seinen Theater- und Operninszenierungen ebenso berühmt geworden wie mit seinen eigenen Videoarbeiten. Seine „Video Porträts“ zeigte er zuletzt auch im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM). Dessen Direktor Peter Weibel verantwortet als künstlerischer Leiter in diesem Jahr zum ersten Mal die Lichtsicht-Biennale.

 Hier geht es zur www.lichtsicht-biennale.de 

„Eigentlich wollte ich Maler werden. Mein Vater riet mir aber, Architektur zu studieren. Heute male ich mit Licht“, erzählt Robert Wilson in Bad Rothenfelde. In seinen „Video Porträts“ komme es darauf an, das ruhige Bild, Musik, Ton und Bewegung mit ihren gegenläufigen Rhythmen in den Videos miteinander in Beziehung zu bringen. Wilson entwickelt seine Sicht auf die künstlerische Gattung des Videos nicht nur in Worten, er zeichnet gleichzeitig auch mit dem Bleistift auf seinen Notizblock. Wie die Ebenen des Videos funktionieren? Wilson wählt die hemdsärmelige Lösung, zeichnet einen Cheeseburger. „Hier sind die Brothälften, dazwischen habe ich zum Beispiel Käse, Gurken und so weiter“, sagt er, strichelt vor sich hin und markiert die Zutaten wie gegeneinander versetzte Blöcke. Eine Kunsttheorie als rasche Skizze? Robert Wilson zeichnet, erklärt und lächelt ironisch.

Derweilen setzen die Lichtsicht-Macher ganz offen auf den Promi-Faktor der Videos von Robert Wilson. „Vielleicht nehmen Besucher dann die Gelegenheit wahr, vor den riesigen Porträts von Prominenten Selfies aufzunehmen“, wünscht sich Idis Hartmann, Assistentin von Peter Weibel. Wie Hartmann weiter sagte, wird das Porträt ohnehin das zentrale Thema der „lichtsicht 5“ sein. Es gebe eine ganze Reihe weiterer Künstler, die in dieser Richtung arbeiteten.

Selfies direkt in Videos einspeisen

So wird nach Hartmanns Worten der Künstler Holger Förterer den Besuchern die Möglichkeit geben, ihre Selfies über ein Netzwerk direkt in seine laufenden Videos einzuspeisen. Förterer wird große Flammengemälde auf die Wände der Gradierwerke werfen. In diese Videogemälde werden dann die Selfies einmontiert.

Zu den prominenten Künstlern der nächsten Lichtsicht-Biennale gehört auch der mehrfache Documenta-Teilnehmer William Kentridge aus Südafrika, der mit seiner Kunst seit Jahren Fragen von Rassismus und Apartheid thematisiert. Kentridge werde Videos beisteuern, die sich mit Protestbewegungen und Zeitthemen wie den Ebola-Epidemien beschäftigten, sagte Idis Hartmann. Die Biennale beginnt am 18. September 2015.