Kulturgesellschaften veranstalten Umberto Eco: Vorlesemarathon zum ersten Todestag

Von Dr. Stefan Lüddemann | 11.02.2017, 07:00 Uhr

Vor einem Jahr starb Umberto Eco. Zum Gedenktag starten italienisch-deutsche Kulturgesellschaften am 2. März 2017 einen Lesemarathon.

„Mit Umberto Eco haben wir einen großen Intellektuellen und kritischen Kopf verloren“, sagt Claudia Imig, Vorsitzende der Deutsch-Italienischen Gesellschaft e.V. Osnabrück. Gemeinsam mit 25 weiteren italienischen Kulturgesellschaften organisieren auch Imig und ihre Mitstreiter am 2. März 2017 in Erinnerung an den ersten Todestag von Umberto Eco („Der Name der Rose“) eine Lesung aus seinen Texten. Während in anderen Städten in Bibliotheken oder Volkshochschulen aus Werken Ecos vorgelesen wird, treffen sich die Osnabrücker Eco-Fans im Café „Herr von Butterkeks“ in der Augustenburger Straße. Nach den Worten Imigs können hier bis zu 40 Zuhörer zusammenkommen. Um 19 Uhr geht die Lesung los. Die Auswahl der Texte kommt von berufener Stelle, aus dem Münchener Hanser-Verlag. Hier weiterlesen: Kämpfer gegen die Ignoranz - Umberto Eco im Porträt .

Lesungen von Berlin bis Stuttgart

„Wir freuen uns, dass das umfang- und abwechslungsreiche Werk von Eco weiterhin auf sehr breites Interesse bei den Lesern stößt“, sagt Henriette Kuch von der Pressestelle des Hanser-Verlages. Das Münchener Verlagshaus unterstützt den Vorlesemarathon gemeinsam mit den Verlagen Bompiani sowie La Nave di Teseo (Mailand) und Harvard University Press (Harvard). Das Kulturevent wird von der VDIG, der Vereinigung der deutsch-italienischen deutsch-italienischer Kultur-Gesellschaften e.V., organisiert. Zu dieser Vereinigung gehört auch der Osnabrücker Verein. Die Liste der Lesungen beeindruckt. Neben der Auftaktveranstaltung in Berlin finden weitere Lesungen unter anderem in Düsseldorf und Dresden, Stuttgart und Bremen statt. Auch in Oldenburg und Bielefeld tragen Eco-Fans aus seinen Werken vor. Hier weiterlesen: Zehn Jahre Schweigen über sein Werk - Umberto Ecos letzter Geniestreich .

„Bücher werden gekauft“

Auch ein Jahr nach seinem Tod am 19. Februar 2016 sind die Werke des italienischen Autors und Wissenschaftlers gefragt. „Es ist nicht mehr so ein Run wie früher. Aber seine Bücher werden weiter gekauft“, sagt Lennart Neuffer von der Osnabrücker Buchhandlung Zur Heide. Neben dem 1980 zuerst erschienenen und mit Sean Connery in der Hauptrolel für das Kino verfilmten Welterfolg „Der Name der Rose“ findet nach Neuffers Einschätzung vor allem „Der Friedhof in Prag“ seine Leser. „Der Name der Rose“ bleibt hingegen in der Gunst der Leser unerreicht. „Eco hat diesen Erfolg mit späteren Büchern wie etwa ‚Baudolino‘ nicht wiederholen können“, sagt dazu Susanne Linke von der Osnabrücker Buchhandlung Wenner. Nach Lennart Neuffers Worten interessieren sich viele Leser auch die Umberto Ecos als „Streichholzbriefe“ gesammelten Kolumnen. „Der politische Eco bleibt wichtig, auch weil er für die Buch- und Lesekultur Flagge gezeigt hat“. Diesen Gedanken unterstützt auch Claudia Imig. Sie trauert Umberto Eco nach: „Als kritischer Kopf wäre er gerade in der aktuellen politischen Situation so wichtig“. Hier weiterlesen: Umberto Eco in Zitaten.