Kultur "Unser Dirigent gestaltet zackiger"

24.09.2004, 22:00 Uhr

In den Gängen der Städtischen Bühnen tummeln sich befrackte Männer mit weiß geschminkten Gesichtern - Theatervolk in der Probenpause, ganz klar. Aber was machen die Damen und Herren in den grünen, trachtenartigen Jacken hier? Mit ihren Blasinstrumenten in den Händen sehen sie aus, als wären sie sonst eher auf Schützenfesten als hinter Theaterkulissen zu finden. Und genau so ist es auch: Dies ist die Theaterpremiere der Heimatkapelle Wellingholzhausen.

Bei der letzten "Osnabrücker Mahlzeit" spielte sie auf - und wurde dabei von Hermann Bäumer, dem Osnabrücker Generalmusikdirektor, "entdeckt". Der steckte in den Planungen für die Aufführung von Verdis "Maskenball" und hatte die Idee, diesmal die für Verdi-Opern typische, in manchen Szenen auf der Bühne spielende Blaskapelle nicht - wie sonst im Musiktheaterbetrieb üblich und akzeptiert - per CD einspielen zu lassen, sondern eine echte "Banda" einzusetzen. Er fragte gleich bei der Heimatkapelle Wellingholzhausen nach, ob sie sich dafür buchen ließe.

"Das ist mal etwas völlig anderes für uns", sagt Hans-Jörg Haferkamp, Trompeter und Geschäftsführer der Heimatkapelle, "mit einem richtigen Orchester zusammenzuspielen, auf so einer Bühne vor so einem Publikum." Schon die beiden ersten Proben mit Hermann Bäumer seien ungewöhnlich gewesen. "Das Zusammenspiel mit einem klassischen Dirigenten ist schon etwas anderes", erzählt Haferkamp, "unser eigener Dirigent kommt aus der Militärmusik, der gestaltet das schon etwas zackiger." Musikalisch sei dieser Einsatz nicht schwieriger als das, was die Heimatkapelle sonst spielt. Zumal der Triumphmarsch aus "Aida" sowieso längst zum Repertoire gehört.

Damit das Spiel für den "Maskenball" zu aller Zufriedenheit gerät, proben die Wellingholzhausener im Orchesterstudio im dritten Stock, während unten auf der Bühne die Hauptprobe zum zweiten Akt läuft. "Sehr gut machen Sie das!", lobt der Kapellmeister der Städtischen Bühnen, Till Drömann, der diese Probe leitet. "Nur der Übergang in den Tuben ist noch unklar." Noch einmal ab Takt 59 und - ja, so wird's gemacht. Dann wird das Tempo erhöht, und auch das klappt. "Danke!", sagt Till Drömann, "und das ist jetzt auch das Höchste an Tempo, das Herr Bäumer von Ihnen erwarten würde."

Hermann Bäumer schaut kurz vorbei, begrüßt die Kapelle und gibt noch ein paar Informationen zum weiteren Ablauf der Proben. Dann wartet die Heimatkapelle Wellingholzhausen auf ihren Auftritt im dritten Akt. Nicht alle gleichzeitig übrigens: "Wir sind eigentlich 60 Leute, aber bei der Oper ist nur für 22 Platz", erzähl Hans-Jörg Haferkamp. Sie haben sich ein Rotationsprinzip ausgedacht, so dass jeder Musiker bei einer der geplanten 15 Aufführungen dabei ist. Unten ist der zweite Akt zu Ende. Die Kapelle aus Wellingholzhausen wird abgeholt und durch die verschlungenen Wege des Stadttheaters zu ihrer ersten Theater-Hauptprobe gebracht.