Kultur Tod von Cornelius Gurlitt: Was wird aus den Bildern?

Meinung – Dr. Stefan Lüddemann | 06.05.2014, 18:43 Uhr

Der Kunstsammler Cornelius Gurlitt ist tot. Doch was wird jetzt aus seiner Kunstsammlung? Ein Kommentar.

Immerhin stehen die Bilder, die als mögliche Raubkunst belastet sind, nun staatlichen Stellen für Recherchen zur Verfügung. Der nun gestorbene Kunstsammler Cornelius Gurlitt hat einer entsprechenden Vereinbarung mit dem Land Bayern und der Bundesregierung noch Anfang April zugestimmt. Wie sich nun unter tragischen Umständen zeigt, erfolgte diese Verständigung gerade noch rechtzeitig. Gurlitts Name steht schon jetzt für den größten Kunstskandal der Nachkriegszeit in Deutschland. Der sogenannte „Münchener Kunstfund“, der zufällig im Rahmen einer Steuersache gemacht wurde, hat das Thema der NS-Raubkunst auch für eine breitere Öffentlichkeit auf die Agenda gesetzt. Zu der Sammlung gehören Bilder von Meistern wie Claude Monet, Henri Matisse, Max Beckmann, Otto Dix und vielen weiteren Künstlern.

Späte Gerechtigkeit

Gurlitt stimmte noch einer Vereinbarung zu, nach der erste Kunstwerke an die Nachfahren jüdischer Vorbesitzer zurückzugeben werden können. Damit ist der Weg für eine späte Gerechtigkeit frei.. Zuvor hatte sich Gurlitt noch strikt geweigert, den Gedanken einer möglichen Rückgabe überhaupt zu erwägen. Unvorstellbar der Gedanke, all dies wäre bislang unterblieben. „Die hätten doch warten können mit den Bildern, bis ich tot bin“, hatte Gurlitt im „Spiegel“-Interview seinerzeit noch gesagt.

Doch wem gehören Gurlitts Bilder nun? Auf diese Frage muss vor allem Rechtsanwalt Christoph Edel antworten, der mit der Betreuung Gurlitts betraut worden war. Gibt es Erben Gurlitts? Oder geht seine Sammlung an den Staat? Von der Antwort auf diese Frage wird es abhängen, wie der Verdacht der Raubkunst aufgeklärt und die Rückgabe von Kunstwerken geregelt werden kann. Die Tatsache, dass sich der Kunstschatz in zwei Ländern befindet, macht die Sache gerade in dieser Hinsicht nicht einfacher. Auf den Betreuer Gurlitts kommt jetzt jede Menge Arbeit zu.

Leben auf den Kopf gestellt

Der Tod des bereits zuvor gesundheitlich angeschlagenen Cornelius Gurlitt wirft aber auch noch einmal die Frage nach dem Umgang der Justizbehörden mit dem Kunstsammler auf. Die Augsburger Staatsanwaltschaft hatte Gurlitts Bilder - immerhin weit über 1000 - mit dem Hinweis auf eine Steuerschuld beschlagnahmen lassen. Sie hat damit nicht nur in den Besitz Gurlitts nachdrücklich eingegriffen, sondern auch die Existenz des zurückgezogen, ja geradezu versteckt lebenden Mannes vollkommen umgekrempelt. Auch mancher Medienbericht hat weniger der Aufklärung des Raubkunstfalles gedient als den Druck auf Gurlitt erhöht. Gurlitts Tod gibt jetzt den traurigen Anlass, die Frage nach der Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen der Justiz und Medienberichterstattung zu stellen.

 Weitere Artikel zum „Fall Gurlitt“ finden Sie auf unserer Themenseite www.noz.de/kunstfund