Kultur Sprüche rund um den Mann

05.07.2009, 22:00 Uhr

Manchmal ist es am besten, aus der Not eine Tugend zu machen: Weil es im Studiengang Vokal pädagogik am Institut für Musik der Fachhochschule Osnabrück bislang fast ausschließlich Studentinnen gibt, wurde kurzerhand ein Frauenkammerchor gegründet. Der gab nun im neuen Chorsaal am Dom unter der Leitung von Stephan Lutermann sein erstes öffentliches Konzert.

Und ein Detail, das nicht gerade typisch für klassische Konzerte ist, springt sofort ins Auge: Die neun Sängerinnen wie der Chorleiter treten barfuß auf. Das jedoch ist kein Tribut an die hochsommerlichen Temperaturen, sondern nimmt Bezug auf eine der dargebotenen Kompositionen, nämlich auf das Lied „Feinsliebchen, du sollst mir nicht barfuß gehn“ von Johannes Brahms. Neben Brahms erklingen Chorsätze und Sololieder von Robert Schumann, Franz Schubert und weniger bekannten Komponisten aus verschiedenen europäischen Ländern. Die Klavierbegleitung teilen sich dabei Tatjana Schirmer und Anne-Sophie Lahrmann.

Besonders effektvoll gelingen die beiden achtstimmigen „Zaubersprüche“ von Wolfram Buchenberg: Der erste mit dem Untertitel „Spruch, um einen Mann zu finden“ klingt beschwörend mit metrisch frei wirkenden Fantasiesilben. Der zweite trägt den Untertitel „Spruch, um ihn wieder loszuwerden“ und steigert sich über perkussive Sprechrhythmen in den wütenden Ausruf: „Alter Sack!“

Doch es geht nicht nur humorvoll zu im Debütkonzert des Chores. Die Sopranistin Katja Bißbort etwa berührt in ihren ausdrucksvollen Solobeiträgen mit Themen wie Abschiedsschmerz und Liebesweh. Bei „Szellö Zúg“ von Lajos Bárdos, in dem Glockenklang vertont ist, fangen punktgenau echte Kirchturmglocken zu läuten an und mischen sich mit dem gesungenen „Bim Bam“. Nach einem Loblied auf das schwedische Värmland von Jan-Ake Hillerud geht es in Siegfried Strohbachs „Sur la route de Dijon“ abermals lautmalerisch zu: In der Geschichte von einem traurigen Mädchen am Brunnen, das von einem zufällig vorbei- kommenden Bataillon getröstet wird, singt der Chor übermütig sein „Belledigedong“ und „Ramtataplam“. Als Finale stehen vier Lieder aus dem „Jungbrunnen“ von Johannes Brahms auf dem Programm. Hier geht es noch einmal um Liebesleid, wenn es etwa heißt, dass das Herz auf dem Friedhof begraben sei, weil es zu heiß geliebt habe.

Am Schluss steht eine Hommage, die Ode „An die Musik“ von Franz Schubert, als Zugabe.