Kultur Nostalgie pur: Ein Lob auf die Espadrilles

Eine Kolumne von Dr. Stefan Lüddemann | 04.06.2016, 08:00 Uhr

In unserer wöchentlichen Kolumne „Silberblick“ berichtet die Kulturredaktion über mehr oder weniger skurrile Beobachtungen aus Alltag und dem Kulturleben. In dieser Woche geht es um die Espadrilles.

Was haben Jeans, Pizza und Arte Povera miteinander zu tun? Eher mehr als weniger jedenfalls. Die Arbeitshose der Cowboys, der Arme-Leute-Fladen und die Kunst aus Abfall gingen den gleichen wundersamen Weg – jenen von den Randzonen des Lebens in dessen Zentrum, von der Armut zum Reichtum, von der Tristesse zum Schick. Mode und Lifestyle inszenieren die Siegeszüge ihrer neuen Idole gern als Aufsteigergeschichten. So werden Klassiker geboren.

Die Espadrilles waren so ein Klassiker. Als Sophia Loren und Grace Kelly sie über ihre schönen Füße zogen, war für die Mode geadelt, was zuvor jene Landarbeiter trugen, die kein Geld für richtige Schuhe hatten. Eine Sohle aus Hanf, von Riemen oder einem Schaft aus Baumwolle gehalten – simpler geht Schuhwerk nicht. Wer heute Espadrilles an seinen nackten Füßen spürt, lebt die Lust an Sommer, Licht und Weißwein. Wer früher mit ihnen über staubige Straßen ging, spürte die Armut unter den Fußsohlen.

Espadrilles gibt es längst von Tommy Hilfiger, Prada oder Chanel. Die luftigen Schuhe haben nostalgischen Charme. Neben den Massen der Sneaker taugen Espadrilles inzwischen folgerichtig zum individuellen Statement. Ja, damals, als Espadrilles-Träger noch mit Citroëns „Ente“ in die Provence fuhren, als Sommer noch richtige Sommer waren! So träumt es sich in diesen Schuhen, die den weiten Weg vom Billigartikel zum Kultobjekt schafften.

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