Kultur Mysteriöse Jagd

10.07.2009, 22:00 Uhr

Starr schaut Stephen Neale auf eine Wanduhr, blickt gespannt auf die Zeiger. Es sind nur noch ein paar Minuten, dann endlich ist er frei und darf die Nervenheilanstalt verlassen. Dort saß er ein, weil Neale seiner Frau unfreiwillig Sterbehilfe leistete. Doch kaum in Freiheit, scheint ihm die Welt um sich herum aus den Fugen geraten zu sein. Es ist Krieg, Bomben fallen, Angst lähmt die britische Bevölkerung.

Und, als wäre dies noch nicht Chaos genug, geschehen seltsame Dinge: Neale gewinnt einen Kuchen mit mysteriösem Inhalt auf einem Basar, wird von einem angeblich Blinden verfolgt und gerät nach einer unheimlichen Séance in Mordverdacht. Von nun an wird er von zwei Seiten gejagt – der Polizei, die ihn für einen Mörder hält, und von Nazi-Spionen, die ihn für einen Spitzel halten. Kann Neale (hervorragend: Ray Milland) dieser Zwickmühle entkommen?

Nachdem Fritz Lang bereits für „Auch Henker sterben“ (1943) mit Bert Brecht an einem Propagandafilm gegen die Nazis zusammenarbeitete, wandte sich der Regisseur nur ein Jahr später einem Roman eines weiteren wichtigen Literaten zu, des Thrillerexperten Graham Greene („Der dritte Mann“). Dessen Vorlage und Fritz Langs grandiose Inszenierung ließen „Ministerium der Angst“ denn auch zu einem „Meisterwerk der Angst“ werden. Und auch wenn Lang den Film selber nie besonders mochte, da ihm bei den Dreharbeiten ständig reingeredet wurde, ist der Film dennoch ein Beleg für das stilistische Können Langs, dem Meister von Verschwörungsfilmen und der Spannung.

So auch hier. Wobei die dunklen Schatten, gebrochene Helden und zwielichtigen Figuren nicht nur auf den Film Noir verweisen, sondern auch auf Langs eigene Werke, vor allem die „Dr. Mabuse“-Filme, aber auch auf Alfred Hitchcocks Spionageklassiker (besonders „39 Stufen“). Endlich auf DVD und in guter Bildqualität erhältlich, lohnt es sich dabei mehr als sonst, die (allerdings nicht untertitelte) Originalfassung anzusehen.

Denn als der Film 1973 seine deutsche Uraufführung in der ARD erfuhr, erhielt er auch eine neue Musikbearbeitung – eine damals leider häufig vorkommende Untat, die sich in erneuten TV-Ausstrahlungen zur Wiederholungstat auswächst. Damit dürfte „Ministerium der Angst“ hierzulande, 65 Jahre nach seiner Entstehung, nun endlich auf DVD seine erste adäquate Erstaufführung erfahren. Immerhin!