Kultur Märchenhaft locker

24.07.2009, 22:00 Uhr

Vor vier Jahren überzeugte Ali Samadi Ahadi mit seiner aufrüttelnden Dokumentation „Lost Children“ über Kindersoldaten. Jetzt überzeugt er erneut. Mit einer märchenhaft lockeren Multikulti-Komödie aus dem äußersten Osten der Republik.

Vater Taheri (Michael Niavarani) ist verzweifelt. „7000 Jahre persische Hochkultur“ sieht er in seinen Genen vereinigt. Doch dann kam sein Sohn Mohsen (Navid Akhavan) auf die Welt. Ein Nichtsnutz, ein Tagträumer, der nicht einmal in der Lage ist, für die eigene Fleischerei das liebe Vieh zu schlachten.

Stattdessen zieht sich der verweichlichte Filius lieber in sein Zimmer zurück und strickt an einem Schal. Als Mohsen sich auf ein windiges Geschäft eingelassen hat, muss er die elterliche Wahlheimat in Richtung Polen verlassen. Das Schicksal will es aber so, dass er im ostdeutschen Grenzkaff Oberniederwalde hängen bleibt.

Als er dort die schlagfertige Kfz-Mechanikerin Ana (Anna Böger) kennenlernt, trifft ihn Amors Flammenpfeil mitten ins Herz. Um seine Liebe nicht zu gefährden, verschweigt er der eingefleischten Vegetarierin sogar, dass er eigentlich Schlachtvieh abholen soll. Womit er eine folgenschwere Verwechslung auslöst, die darin gipfelt, dass sein bald darauf nachrückender Vater das ehemalige Kombinat „VEB Textil Freunde“ übernehmen und damit die strukturschwache Region auf Vordermann bringen soll.

Eine nahöstliche Kleinfamilie am östlichsten Rand unserer Republik – das weckt eine spontane Erwartungshaltung auf allerlei Klischees zum Themenkomplex Fremdenfeindlichkeit, Vorurteile und Multikulti. Die von Regisseur und Co-Autor Ali Samadi Ahadi auch fleißig bedient werden. Aber nicht platt, sondern mit entwaffnendem Charme, gutem Gespür für gekonnte Situationskomik und herrlichen Dialogen, die deutlich machen, warum es mit dem Dialog zwischen den Kulturen nicht immer klappen kann.

Dank hervorragender Schauspieler wirken die Charaktere darüber hinaus trotz allerlei grotesk-komischer Überzeichnungen sogar beinahe authentisch. Ahadis märchenhafter Erzählstil rückt „Salami Aleikum“ dabei mitunter in die Nähe von „Die fabelhafte Welt der Amélie“, was durchaus vertretbar ist. Spielerisch jongliert er in seinem Spielfilm-Debüt mit den unterschiedlichsten Mitteln komödiantischer Sub-Genres, wobei vor allem Tanz- und Gesangseinlagen à la Bollywood sowie liebevoll animierte Trick-Sequenzen zum Tragen kommen. Wie viel harte Arbeit und ausgefeilte Liebe zum Detail dahinterstecken, verrät der Nachspann.