Kultur Lewitscharoff spricht über Gebote: Gespannte Zuhörer

Meinung – Dr. Stefan Lüddemann | 29.04.2014, 08:00 Uhr

Mit ihrem Statement zur künstlichen Befruchtung hatte Sibylle Lewitscharoff empört. Jetzt spricht die Autorin über die Zehn Gebote. Eine gute Sache? Ein Kommentar.

Sibylle Lewitscharoff spricht über zwei der zehn Gebote: Nach ihrer zu Recht heftig kritisierten Dresdner Skandalrede vom 2. März 2014 klingt das nach einer Aufgabe zur ganz persönlichen Besinnung - oder nach einem schlechten Scherz, ganz nach Lesart.

Vor allem das vierte Gebot „Du sollst Deinen Vater und Deine Mutter ehren“ wird es für die Autorin in sich haben. Nach ihrer geschmacklosen Rede von den „Halbwesen“, Kindern, die ihre Existenz künstlicher Befruchtung verdanken, wird es die Büchner-Preis-Trägerin nun Gelegenheit haben, ihr einseitiges Bild von Elternschaft neu zu justieren. Gespannte Zuhörer sind ihr sicher.

Allerdings macht es keinen Sinn, Lewitscharoffs Auftritte nun mit Boykottdiskussionen zu begleiten. Gerade ihre schärfsten Kritiker müssen dafür eintreten, dass die Autorin weiter Gehör findet. Denn es geht bei aller Kritik auch um Augenmaß - eben deshalb, weil Lewitscharoff selbst dafür bei ihrem Dresdner Auftritt jedes Gespür vermissen ließ.