Kultur „Is’ was, Doc?“: Mit quirliger Komödie auf die ewige Bestenliste des Films

29.07.2009, 22:00 Uhr

Kino bildet! Das bewiesen nicht nur die Filmkritiker und späteren Regisseure der Nouvelle Vague, sondern auch deren amerikanisches Pendant. Peter Bogdanovich studierte Filmklassiker und verarbeitete ihren Stil in Meisterwerken des New-Hollywood-Kinos. Heute wird das einstige Wunderkind 70 Jahre alt.

Ein Zielfernrohr ist auf den alten Horrorstar (Boris Karloff als er selbst) gerichtet. Der Killer in der Nähe eines Autokinos hält den Finger am Abzug. Wenig später schießt er wahllos auf die Zuschauer – ein Amoklauf! Der alte Horrorstil einer Hollywood-Legende hatte offenbar ausgedient, der reale Schrecken der 60er-Jahre mit Vietnam, den Rassenunruhen und Attentaten hatte ihn ersetzt. „Bewegliche Ziele“ (1968), Peter Bogdanovichs Regiedebüt, sollte genau das zeigen.

Vom Kinosessel auf den Regiestuhl – so könnte man Bogdanovichs Karriere beschreiben. Nachdem er Regielegenden wie John Ford, Fritz Lang, Hitchcock oder Howard Hawks interviewte, arbeite er beim B-Film-Produzenten Roger Corman als „Mädchen für alles“. In dessen Studio lernte Bogdanovich – zeitgleich mit Martin Scorsese und Francis Ford Coppola – alles übers Filmemachen. Eine harte Ausbildung, die sich aber bei seinem zweiten Film, „Die letzte Vorstellung“ (1971), bezahlt machte. Die Geschichte um texanische Dorf-Jugendliche (darunter Bogdanovichs damalige Lebensgefährtin Cybill Shepherd) erhielt acht Oscar-Nominierungen.

Dann ging es Schlag auf Schlag. Seine größten Kassenschlager inszenierte Bogdanovich im Anschluss: „Is’ was, Doc?“ (1972) mit Ryan O’Neal und Barbra Streisand, einem Remake von „Leoparden küsst man nicht“ (1938), folgte „Paper Moon“ (1973), eine Tragikomödie über die Große Depression der 30er mit Ryan O’Neal und dessen Tochter Tatum, die als Zehnjährige einen Oscar erhielt. Doch dem dem Höhenflug folgten Niederschläge.

Filme wie „Nickelodeon“ (1976) oder „Texasville“ (1990) scheiterten an der Kinokasse. Hollywood, das Bogdanovich so sehr liebt, ließ in fallen. Lediglich „Mask“ (1985) mit Cher als Mutter eines behinderten Kindes erwies sich als Hit.

Wie sein Freund Orson Welles, den er bei sich wohnen ließ, als dieser pleite war, und mit dem er mit „This is Orson Welles“ (1992) eines der schönsten Filmbücher überhaupt schrieb, musste Bogdanovich Aufträge fürs Fernsehen und als Schauspieler annehmen. In einer Zeit der Blockbuster hat das Autorenkino eines Bogdanovich keine Chance mehr.

Traurig, denn Bogdanovichs Filme wirken heute oft frischer als so mancher Kassenschlager. Filme zu sehen bildet eben doch. Und kaum jemand bewies das besser als Bogdanovich.