Kultur Getanzte Eleganz

12.11.2007, 23:00 Uhr

Mohnblumen, Herbstlaub und die ersten Schneeflocken - schillernd bunte Bilder und strahlende Gesichter voll überbordender Freude: Die Mädchen der Ballettschule Bettina Escaño hielten das Versprechen ihrer Lehrerin und zeigten in zweieinhalb Stunden, wie glücklich es macht, auf der Bühne zu stehen. In 23 Balletten und 16 Soli bewiesen 120 Elevinnen eindrucksvoll Tanzlust und Können.

Der funkelnde Ballettabend weckte Vorfreude auf Weihnachten: Musik aus Tschaikowskys '"'Nussknacker'"', ein Engeltanz und jeweils eine zauberhafte Hagel-, Frost- und Schneeprinzessin stimmten nach einem Herbstblattballett auf die kältere Jahreszeit ein. Auch das Bühnenbild stimmte: Passend zu den jeweiligen Szenen, leuchtete eine Videoinstallation in Magenta, Violett und Pink, lösten projizierte Eisblumen transparente Blätter ab. Über dem Tanz der Zuckerfee im '"'Land der Süßigkeiten'"' schwebte buntes Zuckerwerk aus Satin. Die Solistin Veronika Kisslinger, eine ehemalige Schülerin von Bettina Escaño, reiste eigens aus Essen zu den Proben an und überzeugte mit grazilem Spitzentanz und eleganter Armarbeit. Überhaupt war es Escaño hervorragend gelungen, Anmut und Eleganz auch an die Jüngsten zu vermitteln.

Ein Höhepunkt: das neunte Bild, bei dem Bettina Escaño selbst als schnurrbärtiger Ballettmeister auf der Bühne stand. Die Degas nachempfundene Szene einer Ballettklasse begeisterte mit zarten Farbtupfern auf Kostümen und den klassischen Samthalsbändern. Mit kleinen Korrekturen parodierte Bettina Escaño gekonnt ihre eigene Rolle als strenge Lehrerin - ein perfekt platzierter Auftritt.

Neben aktualisierten Stücken aus den letzten zehn Jahren gab es auch eine Uraufführung: '"'Schalom! Salam! Friede!'"' ist eine Arbeit, die durch die Bilder unterdrückter afghanischer Burkaträgerinnen inspiriert ist. Sieben ihrer älteren Elevinnen betraute Escaño mit dem komplexen Thema. Die jungen Frauen stellten das Leid der Afghaninnen in einer unsicheren Zeit mit viel Leidenschaft und tänzerischer Präzision dar. Mit teils radikalen Elementen des modernen Tanzes gaben sie den gefühlten Leidensdruck wieder. '"'Mehr Dramatik und mehr Emotionen sind da drin'"', sagt Escaño über das Stück. Es versinnbildlicht das Leben im Krieg, in unsicherer Zeit. '"'Ich wollte, dass sie sich mit tieferen Themen beschäftigen wie eben Frieden'"', sagt die Leiterin. Das Tanzstück zeige, '"'dass die Ballettschule reifer geworden ist und dass wir uns auch mit gesellschaftspolitisch wichtigen Themen auseinandersetzen'"'. Für die verschiedenen Altersstufen eine wichtige Perspektive.

Mit einem euphorisierenden Finale schloss die Revue - und hinterließ das Bild einer sternstrahlenden Ballettnacht.