Kultur Geheime Waffen

Von Ralf Döring | 29.07.2012, 13:20 Uhr

Bayreuth heil überstanden, in Salzburg glücklich angelangt: Unser Festivalkritiker Ralf Döring hat den Schauplatz gewechselt, nicht jedoch seinen Enthusiasmus für die Musik – und andere Genüsse

Am Samstag war an dieser Stelle schon einmal von der Bayreuther Hummerbratwurst die Rede. Was ich da noch nicht wusste: Ein Kollege hat sie gegessen. Ich habe ja vom Selbstversuch abgesehen; der Kollege aber war aus verschiedenen Gründen nicht zum Essen gekommen; Hektik prägt das Leben des Festspiel-Berichterstatters. Kurz und gut: Vor der „Holländer“-Premiere stärkte er sich mit einer „Festspielbratwurst“. Der Geschmack soll hier keine Rolle spielen („Eine Bratwurst, die extrem nach Fisch schmeckt“); hier geht es ums große Ganze.

Kaum wird es im Festspielhaus dunkel, plagen den geschätzten Kollegen nämlich Magenkrämpfe. Kopfschmerzen. Übelkeit; zum Glück sitzt er nah am Rand. Von der Premiere bekommt er wenig mit; zu sehr beschäftigen ihn die Nachwirkungen der Bratwurst. Und da stellt sich doch die Frage: Birgt die Wurst doch ein Geheimnis? Schließlich ist bei Wagner ja nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Haben etwa Nike oder die Gesellschaft der Freunde...?

Wenn dem so ist, verhält es sich mit der Geheimwaffe so wie mit den gallischen Zaubertränken: Ihre Wirkung ist von kurzer Dauer. Im Falle des Kollegen reicht sie ungefähr eine „Holländer“-Aufführung lang. Den anschließenden Staatsempfang der bayerischen Regierung konnte er in vollen Zügen genießen.

Ich für meinen Teil sehe mich indes in meiner grundlegenden Skepsis bestätigt und wende mich reineren Genüssen zu. Mittlerweile bin ich in Salzburg, und da gibt es eine Spezialität, die mir viel mehr zusagt als komische Bratwürste: Dirndln aus dem Pielachtal.

Was das ist? Diese Kolumne ist schon wieder zu Ende, daher jetzt nur so viel: Es handelt sich nicht um ein Bekleidungsstück. Schon eher um eine Geheimwaffe von betörender Wirkung.