Kultur Ein schöner Tag an der See

Eine Kolumne von Dr. Stefan Lüddemann | 08.08.2015, 08:30 Uhr

In unserer wöchentlichen Kolumne „Silberblick“ berichtet die Kulturredaktion über mehr oder weniger skurrile Beobachtungen aus Alltag und dem Kulturleben. In dieser Woche geht es um einen Tag an der See.

Ich habe einen Tag auf der Insel. Morgens hin, abends zurück. Nur ein Stückchen von den großen Ferien. Aber immerhin. Als die Fähre ablegt, lehne ich mich zurück. Blauer Himmel, weiße Wölkchen. Ist das noch schön oder schon Kitsch? Egal. Auf dem Sonnendeck drängeln sich aufgeregte Feriengäste. Kinder kreischen. Ein paar junge Damen auch. Sie feiern Junggesellinnenabschied. Und heben schon einmal die Gläser. Aber es wird ein schöner Tag an der See. Denn rings umher rauscht das Meer.

Auf dem Eiland schalte ich zwei Gänge zurück. Lasse mir Zeit. Andere hasten herum. Die Eisdielen sind zum Bersten voll. Aus Kneipentüren bollert Musik. In einem Modegeschäft krakeelen drei Männer. Sie suchen dreimal das gleiche Shirt. Und sind volltrunken. Ich ziehe ab Richtung Strand. Da dröhnt auch die Musik. Großleinwand, Autopräsentation, Imbissstände. Der Familienbadestrand ist jetzt eine Eventzone. Aber es ist ein schöner Tag an der See. Denn zwischendrin rauscht das Meer.

Ich denke an die „Ferien des Monsieur Hulot“ von und mit Jacques Tati. Der Komiker spielt in dem Film einen spleenigen Feriengast. Monsieur Hulot bringt das komische Chaos in das kleine Seebad. Aber er genießt unvergessliche Tage. Eigentlich hat sich seit Monsieur Hulot nichts verändert. Immer noch führen die Menschen am Strand das gleiche Stück auf. Es handelt von der Jagd nach dem kleinen Glück. Grotesk eigentlich. Aber es war ein schöner Tag an der See. Denn in mir rauscht weiter das Meer.

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