Konzert in der Osnabrückhalle Osnabrücker Musikpreis: Unter Niveau verkauft

Von Ralf Döring | 14.02.2017, 15:23 Uhr

Der Osnabrücker Musikpreis ist dieses Jahr an das Aris Quartett gegangen. Das Preisträgerkonzert zählt aber nicht zu den Höhepunkten im Konzertleben der Stadt.

Es hat schon was Beschwörendes, wenn Felix Osterheider und Wolfgang Griesert das Aris Quartett bitten, den Ruf des Osnabrücker Musikpreises in die Welt hinauszutragen. Denn damit ist ja ein Werbeeffekt verbunden: für die Egerland-Stiftung, die den Preis stiftet und die Osterheider vertritt, sowie für die Stadt Osnabrück, in deren Namen Oberbürgermeister Griesert den Preis in diesem Jahr ans Aris Quartett verleiht. Robin Schulz, Heinz-Rudolf Kunze und Gentleman hätten den Osnabrücker Musikpreis übrigens noch nie gewonnen, sagt Griesert dabei. Damit hat er zweifelsohne recht, doch sagt das vermutlich mehr über den Schulz-Erwähnungszwang des OB aus als über den Preis. Weiterlesen: Das Aris Quartett im Porträt 

Konzert mit Kompromissen

Nun stellen sich die Preisträger beim Konzert mit dem Osnabrücker Symphonieorchester in der Osnabrückhalle vor. Für Streichquartett und Orchester gibt es jedoch kaum Literatur. Die Recherche führt schnell ins 20. oder 21. Jahrhundert, zu Bohuslav Martinu, Hans-Werner Henze, John Adams, Wolfgang Rihm oder, ganz neu, zu James Dillon. Das erfordert allerdings beherzte Programmplanung; auch mögen manche dieser Werke zu komplex sein, um sie in der kurzen Vorbereitungszeit zu realisieren, die für ein Sinfoniekonzert bleibt. Den Kompromiss hat Generalmusikdirektor Andreas Hotz bei Louis Spohr gefunden: Der Beethoven-, Schubert- und Weber-Zeitgenosse hat ein Konzert für die Besetzung geschrieben, gottlob. Zum Meilenstein in der Musikgeschichte hat es allerdings nicht gereicht. Weiterlesen: Musica pro pace mit Werken von Theodorakis und Brahms 

Nun hätten sich kompositorische Schlichtheiten durch eine spritzige Interpretation auffangen lassen. Tatsächlich mühen sich die Preisträger nach Kräften, die immerhin charmante Musik auf Glanz zu polieren. Sie kratzen aber auch ein paar Schrammen in die hübsche Fassade, etwa weil kecke Aufwärtsbewegungen im Finale durch alle vier Stimmen manchmal etwas verrutschen. Das Aris Quartett absolviert halt derzeit ein strammes Tourprogramm, und da bleibt womöglich die Vorbereitungszeit auf der Straße. Und das Osnabrücker Symphonieorchester, das ohnehin nur eine dienende Rolle spielt, setzt die wenigen Akzente so behäbig, dass sich die Spritzigkeit verflüchtigt wie bei einem Sekt, der zu lange offensteht. Die Zugabe des Aris-Quartetts, das Finale aus Beethovens Streichquartett op. 59 Nr. 3, offenbart leider auch noch, dass die vier jungen Musikerinnen und Musiker nicht ihren besten Tag erwischt haben – womöglich hätten sie sich den Osnabrücker Musikpreis so nicht erspielt. „Meisterlich“, wie es das Motto des Abends vorgibt, geht anders.

„Rheinische“ Sinfonie ohne Tiefgang

Das gilt leider auch für das Finale, die „Rheinische“ Sinfonie von Robert Schumann. Als Finale des Preisträgerkonzerts vor ziemlich genau sechs Jahren hatte Hermann Bäumer die dunkle Seite in diesem an sich doch so euphorischen Werk hervorgekehrt. Jetzt lässt Andreas Hotz das Osnabrücker Symphonieorchester brav und exakt musizieren, aber ohne die Klanglichkeit aufzuschlüsseln, ohne Schwung und ohne Spannung. Stattdessen wird man ständig um Pointen gebracht, weil Hotz keine Entwicklung gestaltet. Der erste Satz kommt nicht von der Rampe, das Memento Mori des vierten Satzes verpufft wirkungslos, das Finale klingt füllig, aber ohne Tiefgang. Ein Konzert weit unter dem Niveau des Osnabrücker Symphonieorchesters.