Kommentar Keine Angst vor Adolf Hitlers Buch „Mein Kampf“

Meinung – Dr. Stefan Lüddemann | 03.12.2015, 18:39 Uhr

Adolf Hitlers „Mein Kampf“ soll 2016 in kommentierter Ausgabe wieder erscheinen. Schon gibt es Kritik. Aber ist Angst die richtige Reaktion auf das Machwerk des Diktators?

Hitlers „Mein Kampf“ ist nicht irgendein Buch. Die Hetzschrift des Diktators lieferte Stimulans und ideologische Blaupause für den Massenmord. Das hat sich in das Menschengedächtnis ebenso eingeschrieben wie in die Erinnerung der Opfer und ihrer Nachfahren. Mein Kampf: Das ist krude Weltsicht und Rohheit in einem. Der Zentralrat der Juden warnt deshalb zu Recht. (Hier weiterlesen: Wofür es sich zu kämpfen lohnt - die Werte der freien Gesellschaft). 

Aber er warnt auch vergeblich. Nach dem Auslaufen der Urheberrechte werden sich Raubdrucker ans Werk machen – und krude Geister ans neuerliche Lesen. Das ist kaum zu verhindern. Forcierte Verbotsforderungen würden aus „Mein Kampf“ womöglich sogar noch einen neuen Mythos machen. Damit wäre niemandem gedient. (Hier weiterlesen: „Mein Kampf“ - Spurensuche der Theatergruppe „Rimini Protokoll“). 

Verbotsdiskussionen unterstellen Hitlers Text eine andauernde Wirksamkeit. Aber müssen wir uns vor „Mein Kampf“ fürchten wie vor einem Gift, das eine ganze Gesellschaft kontaminieren könnte? Im Umgang mit dem Buch helfen Ängste nicht weiter. Gut, dass es die kommentierte Ausgabe geben wird. Wie wäre es, jedem Exemplar eine Ausgabe von Karl Poppers „Die offene Gesellschaft“ beizulegen – als alternative Botschaft sozusagen?