Kommentar Berlinale: Richard Gere trifft Pretty Merkel

Meinung – Daniel Benedict | 09.02.2017, 16:43 Uhr

Richard Gere hat Angela Merkel am Rande der Berlinale 2017 einen Besuch abgestattet. Im Kanzleramt sprachen die beiden über Geres Engagement für Tibet. Dazu ein Kommentar.

Die Berlinale hat kaum angefangen, und schon beeilen sich alle, das Image vom allerpolitischsten Festival einzulösen. Die Jury stichelt gegen Trump. Und Merkel plaudert mit Richard Gere. Der Filmstar freut sich über Aufmerksamkeit für sein Tibet-Engagement, die Kanzlerin über einen Gast, der sie im Wahljahr zur Pretty Woman der Spitzenkandidaten macht. Eine Win-win-Situation, wie es sie nur auf roten Teppichen gibt. (Zwischen „Trainspotting 2“ und dem „Terminator“: Wie gut wird die Berlinale 2017?) 

Dass man allen die Polit-PR von Herzen gönnt, verdankt sich der Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Denn sie bekennt auch kulturpolitisch Farbe und kündigt die Aufstockung des Deutschen Filmförderfonds an – auf einen Rekord-Jahresetat von 75 Millionen Euro. Eine erfreuliche Kehrtwende nach massiven Kürzungsplänen.

Wenn Tarantino und Spielberg nach Potsdam gelockt werden, profitieren nämlich ebenfalls alle: Die deutsche Filmindustrie empfiehlt sich den US-Studios. Die Wirtschaft profitiert von Investitionen, die das Fördergeld beinahe versechsfachen. Und Merkel hat einmal mehr attraktive Gäste zum Kaffee im Haus, wenn Clooney wieder in Berlin dreht.