Jung, gutaussehend, kompetentAndreas Hotz folgt ab Saison 2012/13 Hermann Bäumer als Generalmusikdirektor in Osnabrück Neuer Generalmusikdirektor für Osnabrück: Andreas Hotz

Von Ralf Döring | 23.09.2011, 13:45 Uhr

Verjüngungskur für das Osnabrücker Musikleben: Mit Andreas Hotz wird ein 30-jähriger Dirigent Nachfolger von Hermann Bäumer auf dem Posten des Generalmusikdirektors.

Es war eine der am ehesten erkennbaren Neuerungen, die Hermann Bäumer zum Beginn seiner Amtszeit einführte: Er holte die zweiten Geigen des Osnabrücker Symphonieorchesters aus dem Windschatten der ersten und setzte sie vorne rechts aufs Podium. Bäumer begründete das mit den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis, die seit einigen Jahren einen Standard für das moderne Orchester setzen. Andreas Hotz nun platzierte die zweiten Geigen wieder an ihrem angestammten Platz, zwischen ersten Geigen und Bratschen. Ein Roll-Back in den Klangplüsch vor-karajan’scher Zeiten?

In diesem Fall hätte das Osnabrücker Symphonieorchester sicher nicht nahezu geschlossen für Hotz als neuen Chefdirigenten votiert. Eine Stimme in einer vielköpfigen Findungskommission, aber ein Votum mit Gewicht: Gestern stellten Kultur-verwaltung und Theaterleitung den Dreißigjährigen im Osnabrücker Rathaus als neuen Generalmusikdirektor (GMD) vor.

Viele Hoffnungen knüpfen sich an das Engagement, das zur Spielzeit 2012/13 beginnt. Kulturdezernentin Rita Maria Rzyski hofft auf ein Programm, das sich auf die Stadt bezieht, und legt Wert auf eine fruchtbare Jugendarbeit des Orchesters und seines künftigen GMD. Und da könnte Hotz durchaus manche Türen öffnen: Der „junge und – ich darf das sagen – gut aussehende Mann“, so Rzyski, ziehe hoffentlich auch ein junges Publikum an.

Gut aussehend oder nicht: Jugendarbeit ist auch dem Theaterintendanten Ralf Waldschmidt ein Herzensanliegen – und er fand in ersten Gesprächen schon viele gemeinsame Ideen. Auch bei seinem zweiten Anliegen, der Pflege der Barockoper, findet er in Hotz einen geeigneten Partner. Der sagt von sich zwar, er sei im „klassisch-romantischen Repertoire zentriert“. Barock und Avantgarde begreift er aber keineswegs als Randbereiche. So hat er sich in Meisterkursen beim Barockspezialisten Reinhard Goebel und bei Pierre Boulez weitergebildet.

Unter anderem hat er sich mit Orchestersitzordnungen beschäftigt: Die Aufstellung bei Beethovens „Eroica“ leitet Hotz aus der Partitur ab. Aber letztendlich wurde sie angesichts der Interpretation zur Nebensache. Von Monnard bis Bäumer hat jeder GMD die Symphonie mit dem Osnabrücker Orchester erarbeitet – die elektrisierendste, kompetenteste und gleichzeitig tiefgründigste Interpretation gelang Andreas Hotz. So hörte das Publikum in der Osnabrückhalle eine Version der „Eroica“, die durchaus neben den Einspielungen mit weitaus berühmteren Orchestern und Dirigenten diskutiert werden kann.

Ohne die Arbeit seines Vorgängers wäre das nicht möglich gewesen. So war es eines der erklärten Ziele Bäumers, die Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis im Orchester zu verankern. Hatte Lothar Koenigs noch den impulsiven Stil des Maestros alter Schule gepflegt, mit großartigen Mahler-, Bartók- und auch Beethoven-Interpretationen, läutete Bäumer eine neue Ära ein: die des modernen Orchesters, das für unterschiedliche Epochen und Stile den adäquaten Zugang sucht und auch oft gefunden hat. Die Sicherheit etwa im vibratolosen Spiel der Geiger, die Kontrolliertheit sowohl im Piano als auch im Forte sind die Früchte, die Hotz Bäumers intensiver Arbeit verdankt. Darauf will Hotz bauen: Sein Orchester soll sich nicht nur klanglich den Epochen anpassen, sondern dem jeweiligen Komponisten gerecht werden: Verdi soll nach Verdi klingen und Wagner nach Wagner. Genau die Herausforderung, die das Orchester sucht.