„Index der verbotenen Bücher“ Vor 50 Jahren vom Vatikan abgeschafft

Von epd | 13.06.2016, 19:42 Uhr

Wie in Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ gehört das Verbot von Büchern zu den markantesten Merkmalen, wenn man die katholische Kirche als Institution des finsteren Mittelalters präsentieren möchte. Sagenumwoben bis heute ist der „Index der verbotenen Bücher“, der erst heute vor 50 Jahren abgeschafft wurde.

Dabei war die Leseverbotsliste eine neuzeitliche und damit moderne Erfindung: Nach dem Aufkommen des Buchdrucks im 15. Jahrhundert hat die katholische Kirche schnell erkannt, wie gefährlich die Möglichkeit ist, umstürzlerische und reformatorische Ideen vergleichsweise einfach zu verbreiten.

Unter anderem zur Abwehr solcher Ideen wurde 1542 die „Heilige Römische und Universale Inquisition“ gegründet. 1571 folgte dann zusätzlich eine Indexkongregation, der es um die möglichst umfassende Kontrolle des Buchmarkts ging. Bereits 1559 wurde der erste päpstliche Index publiziert.

Bestimmte Bücher sollten demnach am besten erst gar nicht (nach-)gedruckt werden. Und wenn man das nicht verhindern konnte, so durften Katholiken sie nur mit einer bischöflichen Sondererlaubnis lesen. Verstöße wurden mit der von selbst eintretenden Exkommunikation bestraft - wobei es hier wohl vor allem um die abschreckende Wirkung ging.

Verboten wurden etwa Erasmus von Rotterdam , Giordano Bruno und der Reformator Martin Luther – auch dessen Bibelübersetzung ins Deutsche. Außerdem auf dem Index standen Werke, die sich mit der Magie und Astrologie beschäftigten oder als „obszön“ galten.

Es war eine „Bewahrpädagogik“, die katholische Kirche als Teil einer Buchreligion bekämpfte Bücher. Manchmal wurde auch das gesamte Werk eines Autors verboten und damit nicht nur dessen wirtschaftliche Existenz vernichtet. Mit Leipzig, Basel oder Tübingen setzte man gleich ganze Verlagsorte auf den Index.

Erste Anzeichen der Überforderung zeigten sich im 19. Jahrhundert. Je freier in Gesellschaft und Wissenschaft neue Ideen diskutiert wurden, desto mehr wurde das Verbot von Büchern zu einem Akt der Selbstisolierung. So lief das ganze Unterfangen zunehmend ins Leere. Verboten wurden zuletzt vor allem katholische Reformtheologen wie George Tyrell, Marie-Dominique Chenu oder Otto Karrer, aber auch der Atheist und Existenzialist Jean-Paul Sartre.

Der jüngste aufgelegte „Index librorum prohibitorum“ aus dem Jahr 1948 umfasst immerhin 6000 Einträge, das letzte indizierte deutsche Buch war das Werk „Der Mündige Christ. Katholische Kirche auf dem Weg der Reifung“ von Josef Thomé im Jahr 1955.

Dem Spuk ein Ende setzte das Zweite Vatikanische Konzil. Bereits Ende 1965 gab es einen päpstlichen Erlass, nach dem Bücher nicht mehr verboten, sondern nur noch „missbilligt“ werden sollten. Offiziell abgeschafft wurde der Index dann vor 50 Jahren, am 14. Juni 1966, von Papst Paul VI. „Der Papst unterstrich, die Glaubenslehre könne heutzutage wirksamer durch Förderung der Wissenschaft [...] und positive Darlegung der Gründe kirchlicher Entscheidungen geschützt werden“, schreibt Hubert Wolf im Standardwerk zum Thema (Index. Der Vatikan und die verbotenen Bücher, 2006). Die Glaubenskongregation, Nachfolgerin des Offiziums, warnte freilich auch weiterhin mit eigenen Stellungnahmen vor bestimmten theologischen Werken.