Hit-Mix im Musical In „Massachusetts“ auf den Spuren der Bee Gees

Von Markus Pöhlking | 16.02.2014, 16:31 Uhr

„Night Fever“, „Stayin’ Alive“ oder „How deep is your love?“ kennt jeder. In ihrer fast 50 Jahre währenden Karriere haben die Bee Gees aber so einiges mehr komponiert und veröffentlicht, einige Krisen durchlebt und sich stilistisch immer wieder mal neu erfunden, ehe 2006 das offizielle Ende kam. Die Geschichte der drei Brüder erwacht im Musical „Massachusetts“ zu neuem Leben. Nun gastierte die Show in der Osnabrückhalle.

Natürlich kann die Darstellung von fast fünf Jahrzehnten Bandgeschichte in einem zweieinhalbstündigem Bühnenformat nur selektiv ausfallen: Die teils langjährigen Durststrecken der Bee Gees wurden dementsprechend ausgeklammert, der wenig rühmlichen Trennung 1969 immerhin eine Sequenz gewidmet, vorangetrieben wurde aber vor allem die Erzählung der Erfolgsgeschichte.

Die begann streng genommen schon im Jahr 1956, als die drei Brüder Maurice, Robin und Barry Gibb zu einem Playback-Wettbewerb in Manchester unterwegs waren – mit einer Elvis-Platte. Die war noch aus Schellack, fiel zu Boden und zersprang. Die drei Brüder gingen dennoch zum Wettbewerb, sangen dort ziemlich eindrucksvoll auch ohne Netz und doppelten Boden und bekamen so ihren ersten Fuß ins Musikgeschäft.

Basierend auf derlei von Video-Einspielungen unterlegten Anekdoten, macht sich „Massachusetts“ auf die Reise durch Werdegang und Karriere der Bee Gees, deren Protagonisten auf der Bühne – analog zum Original - ebenfalls drei Brüder sind: „The Italien Bee Gees“, bestehend aus Walter, Davide und Pasquale Egiziane, kommen ihren Vorbildern optisch und vor allem stimmlich ziemlich nahe; gemeinsam mit ihrer Begleitband spielen sie sich durch ein Set von 25 der größten Bee-Gees-Hits.

Abgedeckt wird dabei die ganze Schaffenspalette: Die frühen, teils an die Beatles erinnernden Erfolge wie „Spicks & Specks“ oder „New York Mining Desaster 1941“ illustrieren die Wurzeln der Band, die dann Mitte der 1970er-Jahre auf den Disco-Zug aufsprang und dort ihre ganz großen Erfolge feierte, ehe in der Spätphase Nummern wie „This is where I came in“ eine Rückbesinnung auf die Ursprünge andeuten.

Der Hit-Mix fällt in der fast ausverkauften Osnabrückhalle auf fruchtbaren Boden, und bis hier könnte man vom gelungenen Auftritt einer guten Coverband sprechen, wäre da nicht der Berliner Schauspieler Jesse Garon: In der Rolle des BBC-DJs Brian Goodwood sorgt Garon wesentlich für die Show-Elemente des Musicals und spinnt mal charmant, mal pointiert und immer ziemlich aufgedreht den roten Faden, anhand dessen die Geschichte der Band erzählt wird.

Ein Höhepunkt der Bühnenhommage an die Bee Gees sind sicherlich die beiden Kurzauftritte von Blue Weaver, der von 1975 bis 1982 nicht nur als Band-Mitglied, sondern auch als Co-Autor und Mitproduzent wirkte. Weaver setzt am Keyboard musikalische Akzente, und im Talk mit Garon plaudert er aus dem Nähkästchen seiner gemeinsamen Zeit mit den Bee Gees, deren Fortsetzung es nicht geben wird: Nach dem Tod von Maurice im Jahr 2003 und endgültig mit jenem von Robin 2012 haben sich alle Hoffnungen auf eine Zugabe der Bee Gees zerschlagen. Fürs Publikum hingegen gibt es an diesem Abend noch einige Zugaben, ehe die Story der Bee Gees auch auf der Bühne endet.