Hieronymus Bosch in Kassel Katastrophenkino: Gemälde mahnt zur Umkehr

Meinung – Dr. Stefan Lüddemann | 02.02.2017, 07:00 Uhr

Hieronymus Bosch hat das Katastrophenkino des Mittelalters gemalt. Seine Höllenbilder mahnen auch heute zur Umkehr.

Er hat das Katastrophenkino des späten Mittelalters gemalt: Hieronymus Bosch fasziniert bis heute, weil er bereits mit Gemälden auf Holztafeln geleistet hat, was Jahrhunderte später Filmregisseure von Hitchcock bis Spielberg zur hohen Kunst entwickeln sollten – kollektive Angstträume in ebenso schaurige wie schöne Bilder zu fassen. Hier weiterlesen: Schreck, laß nach - Was Alte Meister über Trump und Pegida lehren. 

Das kleine Gemälde, das nun in Kassel wieder bestaunt werden kann, gehört genau in diese Reihe. Von dem Ritter Tondalus, der da vor geöffnetem Höllenschlund zu sehen ist, haben nur Experten gehört. Aber sein Lebensthema bleibt nachvollziehbar. Tondalus schaut in die Hölle – und kehrt um. Hier weiterlesen: Hieronymus Bosch und seine Bilder aus der Krisenzeit. 

Hieronymus Bosch und seine Nachfolger malten Höllenszenen als Warnung für die Fresser und Prasser, die Aufschneider und Unvernünftigen. Auch damals gab es, was der Soziologe Ulrich Beck als Risikogesellschaft bezeichnet hat. In Zeiten von Trump und Brexit meint dieser Begriff nicht nur entgleitende Technik. Er zielt auch auf den möglichen politischen GAU. Wir schauen wie Tondalus in ein Höllenszenario. Das Kasseler Bildchen mahnt zur Umkehr. Hier weiterlesen: Kunststars im Gespann - Museen setzen auf Konflikt.