Gute Wahl in Osnabrück Remarque-Preis an Asli Erdogan: Stimme der Frauen

Meinung – Dr. Stefan Lüddemann | 19.05.2017, 18:46 Uhr

Der Erich-Maria-Remarque-Preis 2017 geht an Asli Erdogan. Das dürfte allgemeine Zustimmung finden. Außer bei einem natürlich.

Vor zwei Jahren lieferte der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis noch Stoff für heftige Kontroversen. Die Jury entschied sich für den syrischen Lyriker Adonis, dem Kritiker zu große Nähe zum Assad-Regime vorwarfen. Jetzt stehen die Vorzeichen anders. Der Preis geht an die türkische Autorin Asli Erdogan. Allgemeine Zustimmung dürfte sicher sein. Hier weiterlesen: Erich-Maria-Remarque-Preis an Asli Erdogan - die Hintergründe. 

Nur der türkische Präsident Recep Erdogan, der politische Gegner und publizistische Kritiker erbarmungslos verfolgt, wird wohl schäumen. Die Preisträgerin macht Front gegen den autokratischen Präsidenten und engagiert sich damit für Europas Werte genau dort, wo sie besonders bedroht erscheinen. Sie streitet für die Freiheit des Wortes. Und sie gibt jenen eine Stimme, die Opfer staatlicher Gewalt werden. Ihr Augenmerk gilt dem einzelnen Menschen in seiner Betroffenheit. Das macht ihre Parteinahme besonders glaubwürdig.

Mit Asli Erdogan wird erst zum zweiten Mal eine Frau mit dem Friedenspreis geehrt. Swetlana Alexijewitsch, die andere Friedenspreisträgerin, erhielt 2015 gar den Literatur-Nobelpreis. Erdogan wie Alexijewitsch artikulieren die weibliche Seite der Erfahrung von Gewalt. Das ist in einer Welt, in der egomanische politische Führer wie Recep Erdogan und andere derzeit den Ton prägen, als Korrektiv unverzichtbar.