Europäisches Kulturerbe 2018 Münster und Osnabrück im Zeichen des Friedens

Von Dr. Stefan Lüddemann | 04.12.2017, 20:16 Uhr

Münster und Osnabrück fühlen sich dem Friedensgedanken verpflichtet. 2018, im Jubiläumsjahr des Dreißigjährigen Krieges, erinnern sie mit Ausstellungen und Friedenslabor an die Herausforderungen des Friedens.

Frieden wächst, wenn Menschen, die einander feind sind, miteinander reden und dadurch Vertrauen aufbauen. Eine Binsenweisheit? Nein. Gert Althoff, Historiker an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Sprecher des Exzellenzclusters „Religion und Politik“, fasst so die Leitlinie zusammen, mit der 2018 die Geschichte des Friedens in einem Ausstellungsprojekt dargestellt werden soll. Hier weiterlesen: Daniel Kehlmanns „Tyll“ - der grandiose Roman zum Dreißigjährigen Krieg. 

Großes Ausstellungsprojekt

„Frieden.Europa“: Unter diesem Titel präsentieren fünf Münsteraner Museen das mehrteilige Ausstellungsprojekt. Osnabrück steuert ein „Europa-Labor“ mit 60 jungen Frauen und Männern aus ganz Europa bei. Beide Städte erarbeiten diese Projekte, die gestern im Münsteraner Rathaus vorgestellt wurden, im Rahmen des europäischen Kulturerbejahres. Insgesamt 571000 Euro an Fördermitteln fließen nun über das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalsschutz nach Münster und Osnabrück. Als Verhandlungsorte des 1648 geschlossenen Westfälischen Friedens, der den Dreißigjährigen Krieg beendete, haben sich die beiden Städte die Erinnerung an den Friedensgedanken zur kulturpolitischen Aufgabe gemacht.

Auftrag für die Zukunft

„Frieden ist fragil. Das wissen wir spätestens seit den Anschlägen vom 11. September“, sagte Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe, während Osnabrücks Kulturdezernent Wolfgang Beckermann von einem „dauerhaften Zukunftsauftrag“ sprach. Es müsse darum gehen, gerade das Bewusstsein der jungen Europäer „für die gemeinsame Geschichte und die gemeinsamen Werte“ zu erhalten. Hier weiterlesen: Westfälischer Friede - 1998 kamen Staatsoberhäupter nach Osnabrück. 

„Wege zum Frieden“

Mit rund 370000 Euro fließt der Löwenanteil der Fördermittel in das groß angelegte Ausstellungsprojekt, das in Münster vom 28. April bis zum 2. September zu erleben sein soll. Zentraler Baustein der Präsentation werden die „Wege zum Frieden“ sein, die das LWL Museum Kunst und Kultur präsentieren wird. In einem Durchgang durch die europäische Kulturgeschichte werden Bilder des Friedens zu sehen sein – vom pompösen Gemälde von Peter Paul Rubens bis zum Foto, das Willy Brandts Kniefall 1970 am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Gettos zeigt. Museumsdirektor Hermann Arnhold, zugleich Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der beteiligten Museen, kündigt weiterhin Exponate von Künstlern wie Wilhelm Lehmbruck, Otto Dix und Käthe Kollwitz an. Wie Arnhold weiter im Gespräch erläuterte, beläuft sich der Ausstellungsetat insgesamt auf 2,2 Millionen Euro. Weitere Förderer sind unter anderem das Land Nordrhein-Westfalen und die Kunststiftung NRW.

Bilder von Picasso

In den weiteren Stationen der Ausstellung präsentiert das Archäologische Museum der Universität Exponate zum Friedensgedanken aus der Antike, während das Stadtmuseum der Frage nachgeht, wie des Westfälischen Friedens zu den jeweiligen Jubiläen gedacht wurde. Ein Highlight verspricht das Kunstmuseum Pablo Picasso mit Darstellungen des Jahrhundertkünstlers zum Thema Frieden. Das Bistum Münster präsentiert sich schließlich mit Friedensideen des Christentums. Hier weiterlesen: Europäisches Kulturerbesiegel enthüllt. 

Forschung an der Uni

Das Großprojekt der Museen basiert auf den Vorarbeiten des Exzellenzclusters der Universität Münster. Wie Gert Althoff erläuterte, trat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe bereits 2013 zusammen, um das Projekt vorzubereiten. Dabei haben die Wissenschaftler gefragt, was Menschen im Verlauf der Geschichte eigentlich getan haben, um Frieden zu erreichen und zu sichern. Und dann ging es nach den Worten Althoffs um die Frage, ob es bei diesem Bemühen in der Geschichte überhaupt einen Fortschritt gegeben habe.

Junge Leute aus Europa

Wie solche Gedanken in praktischer Kulturarbeit vermittelt werden können, soll 2018 in Osnabrück demonstriert werden. 60 junge Leute aus mehreren Ländern Europas sollen in Workshops zum Thema Frieden arbeiten und ihre künstlerischen Ergebnisse zusammen mit Partnern wie dem Theater, der Kunsthalle oder dem European Media Art Festival präsentieren. Für dieses Projekt fließen den Angaben zufolge 177000 Euro an Fördermitteln nach Osnabrück. Wolfgang Beckermann verspricht sich von den Projekten „einen nachhaltigen Eindruck von der Vitalität eines jungen Europas“.