Kalter Krieg im heißen Teheran "Die Agentin": Ist Diane Kruger ein Doppelspion?

Von Tobias Sunderdiek | 28.08.2019, 08:57 Uhr

Diane Kruger verliebt sich in "Die Agentin" ihre Zielperson. Gefährlich für eine Mossad-Spionin im Iran.

Es ist ein heißes, gefährliches Pflaster, auf das die Mossad-Agentin Rachel geschickt wird: Sie soll, als kanadische Englisch-Lehrerin getarnt, für den israelischen Geheimdienst im Iran spionieren. Dabei zeigt sich ihr Einsatzort Teheran von zwei Seiten.

Da ist die offizielle, restriktive Welt des Mullah-Regimes, andererseits aber auch die freizügige, „westliche“ Welt, in der vor allem die Reichen mit Alkohol, Partys und Sex das Leben genießen. Dort gewinnt Rachel (Diane Kruger) das Vertrauen des Unternehmers Farhad (Cas Anvar), ihrem Zielobjekt. Er soll Technologien für das Atomprogramm Irans haben.Und während sie wichtige Informationen nach Israel sendet, verliebt sie sich in Farhad.

Damit wachsen gleichzeitig bei ihren Führungsoffizieren Zweifel. Ist Rachel wirklich loyal gegenüber ihren Auftraggebern? Ihr Verbindungsmann Thomas (Martin Freeman) soll das überprüfen. Er, der Rachel auf immer waghalsigere Einsätze geschickt hat, will sie aber zugleich beschützen. Zu Recht?

Der nahe Osten als Pulverfass. Die Innenansicht einer Agentin in einer Männergesellschaft. Die Strukturen des Mossad. All das zeigt Yuval Adlers deutsch-französisch-israelisches Spionagedrama, das sich vor allem authentisch gibt. Nicht nur, weil manche Szenen heimlich in Teheran gedreht wurden und das Drehbuch nach dem Bestseller des Ex-Geheimdienstlers Yiftach Reicher Atir entstand, sondern auch wegen seiner grandiosen Hauptdarstellerin Diane Kruger. Sie verkörpert ihre Rolle als zerrissene, geheimnisvolle Frau perfekt. Damit bietet sie ein gutes Argument, sich diesen Film anzusehen. Leider ist es aber weitgehend das einzige.

Denn Spannung will nur ganz selten aufkommen. Statt auf Suspense verlegt sich der Film auf Atmosphäre, will ein kompliziertes Geflecht wie in den Romanen von John le Carré („Die Libelle“, „Dame, König, Ass, Spion“) aufbauen. Doch stattdessen verzettelt sich seine Handlung in einer unnötig komplizierten Rückblenden-Struktur, lässt so kaum Mitgefühl mit den Protagonisten aufkommen, wirkt zerfasert.

Sicher hatte Yuval Adler (auch als Drehbuchautor) vor allem die Thrillerklassiker der 70er vor Augen, als, nach der Bond-Welle der 60er, das Spionagegeschäft realistischer und grimmiger dargestellt werden konnte, als unterkühlte Dramen des Kalten Krieges. Doch die Qualitäten von Genremeistern wie Yves Boisset oder Terence Young erreicht „Die Agentin“ leider nie.

Daher wirkt der Film letztlich wie sein abrupter Schluss: Enttäuschend.

„Die Agentin“ (D/F/Israel 2019). R.: Yuval Adler. D.: Diane Kruger, Martin Freeman, Cas Anvar. 116 Minuten. FSK: ab 16