Der wöchentliche Silberblick Was sollte ein Bier kosten - 24 Cent oder 9,99 Euro?

Eine Kolumne von Joachim Schmitz | 18.07.2015, 08:58 Uhr

In unserer wöchentlichen Kolumne „Silberblick“ berichtet die Kulturredaktion über mehr oder weniger skurrile Beobachtungen aus Alltag und dem Kulturleben. In dieser Woche geht es um eine Frage, die wohl jeden Biertrinker beschäftigt: Wie billig darf es sein, wie teuer kann es sein.

Kürzlich war es mal wieder so weit: Ein Supermarkt in der Nähe hatte sein ohnehin meistverkauftes Bier im Sonderangebot und warf die Kiste mit 20 Halbliter-Flaschen für sagenhafte 4,80 Euro auf den Markt. Das von den einen als „Hartz IV-Bier“ verspottete und von den anderen wegen seines unübertrefflichen Preis-Geschmacks-Verhältnisses geschätzte Gebräu fand reißenden Absatz – ein mir entgegenkommender Kunde hatte in seinem Einkaufswagen nichts anderes als zehn Kästen Bier. Was sich in seinem Portemonnaie als Einsparung von 16 Euro im Vergleich zum sonstigen Preis niederschlug, könnte sich bei den Leberwerten des Sparfuchses genau gegenteilig auswirken. Aber hier soll ja schließlich kein Zeigefinger erhoben werden, also gönnen wir ihm den Spaß.

Andererseits: Die ganze Schlepperei für 48 Euro? Nur weil eine Brauerei darauf verzichtet, Fernsehkrimis und Fußball-Länderspiele zu präsentieren oder Segelschiffe um die Welt zu schicken und ihren Werbeetat dann auf die Kunden abzuwälzen? Wer will sich das denn antun? Vielleicht sollte sich der Mann mal nach einem schicken Craft Beer umsehen. Das sind die Biere für Leute, die das Glas mit abgespreiztem Finger zum Mund führen und anschließend eine Expertise über den fruchtigen Abgang von sich geben. Der kleinste gemeinsame Nenner von Schickimickis und Super-Alternativen. Total angesagt gerade. Nicht immer lecker, aber auf jeden Fall teuer. Da gibt’s im Internet oder oder in ausgewählten Shops durchaus mal ein Pülleken „Rogue – Yellow Snow“ für 9,99 Euro. Wohlgemerkt: ein Fläschchen mit 0,33 Liter Bier. Denn die Halben sind doch was für Bauarbeiter und „Tatort“-Gucker, oder?

Fest steht: Für 48 Euro gibt‘s vom „Rogue – Yellow Snow“ keine zehn Kisten, sondern nicht mal fünf Flaschen. Aber wer weiß, wofür das Zeug alles gut ist? Vielleicht kann man sich damit ja sogar einreiben, wenn der Schädel vom Billigbier brummt.

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