Der wöchentliche Silberblick Auf der Herrentoilette unterscheidet sich der Mann

Von Joachim Schmitz | 02.01.2016, 06:34 Uhr

In unserer wöchentlichen Kolumne „Silberblick“ berichtet die Kulturredaktion über mehr oder weniger skurrile Beobachtungen aus Alltag und dem Kulturleben. In dieser Woche geht es um Beobachtungen auf den Herrentoiletten der Nation.

Es ist eine Welt, die den meisten Frauen – mit Ausnahme des Reinigungspersonals – für immer verschlossen ist: öffentliche Herrentoiletten in Gaststätten, Veranstaltungshallen oder Autobahnraststätten. Höchste Zeit also, mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, denn wo sonst als beim Händewaschen lassen sich Männer derartig präzise kategorisieren und verschiedenen Typen zuordnen?

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Neben den „Normalos“ gibt es zunächst mal den „Streber“: Er schäumt sich bis zu den Ellbogen mit Seife ein, blickt beifallheischend in die Runde und hinterlässt ein Waschbecken voller Seifenschaum. Extremfälle treten anschließend mit dem Fuß die Türklinke herunter, damit sie sich hier keine neuen Keime einfangen. Häufig erlebt man auch den „Wasserscheuen“: Er benetzt die Fingerspitzen mit ein paar Tropfen, schüttelt diese anschließend wie einen Schneebesen und wirft dem Handföhn einen missbilligenden Blick zu. Der „Verpisser“ dagegen stürmt vom Urinal mit gesenktem Kopf direkt dem Ausgang entgegen, ohne die Waschbecken auch nur eines Blickes zu würdigen. Kaum besser der Simulant: Er dreht zwar den Hahn auf, vermeidet aber jeden Wasserkontakt und verlässt verdruckst den Raum. Immer häufiger erlebt man auch den „Öko-Aktivisten“: Er positioniert sich neben der Vorrichtung mit den Papierhandtüchern, zählt mit und hält jedem eine Standpauke, der mehr als drei Blatt verbraucht.

Welchem Typus Leonard Lansink zuzuordnen ist, wissen wir zwar nicht - wohl aber, dass den „Wilsberg“-Darsteller mit Herrentoiletten eine ganz besondere Erinnerung verbindet. Vor einer solchen hat er nämlich seine spätere Frau kennengelernt, wie er im Interview erzählt. Aber das ist eine andere Geschichte...

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