Der wöchentliche Silberblick Am Ende des Urlaubs: Spaßbremse Deutsche Bahn

Eine Kolumne von Joachim Schmitz | 05.12.2015, 05:57 Uhr

In unserer wöchentlichen Kolumne „Silberblick“ berichtet die Kulturredaktion über mehr oder weniger skurrile Beobachtungen aus Alltag und dem Kulturleben. In dieser Woche geht es um eine lange Reise, anderen Ende die Deutsche Bahn mal wieder zur Spaßbremse wird.

Man muss schon mit dem Klammerbeutel gepudert oder aber schwer vom Fernweh geplagt sein, um sich in einem 14-tägigen Urlaub so weit von der Heimat zu entfernen, dass die Rückreise schlappe 32 Stunden verschlingt. Von der Ökobilanz, die man sich damit fürs ganze Jahr versaut, mal ganz zu schweigen.

Weit weit weg

Ich habe es dennoch getan und mich am Ende einer spannenden Rundreise zur Erholung für ein paar Tage auf ein zauberhaftes Eiland im Süden Thailands treiben lassen. Dummerweise auch der am weitesten von zu Hause entfernte Punkt der gesamten Reise. Die Strafe gibt’s dann auf dem Heimweg in den deutschen Spätherbst.

Wie geschmiert

Wobei: Die ersten 29 der 32 Stunden sind ein Kinderspiel. Transfer von „meinem“ Inselchen zum Flughafen der Provinzhauptstadt Krabi - kein Problem. Flug von Krabi nach Bangkok - genau in der Zeit. Sogar überpünktlich ist der Flug von Bangkok nach Wien und auch der letzte Flieger von Wien nach Düsseldorf landet vor der Zeit.

Verspätung häppchenweise

Aber dann hat sie mich: Die Deutsche Bahn. Ihr Überfall erwischt mich beim Umstieg in Duisburg. Da stehe ich am Bahnsteig, zwar schon wieder mit langen Hosen, aber ansonsten in einer Kleidung, die man nicht als „der Jahreszeit angemessen“ bezeichnen sollte. Und auf der Anzeigentafel geht’s zu wie beim Skat – mit dem makabren Unterschied, dass es nicht „18-20-22-passe“, sondern „15-20-25-30-35 Minuten“ heißt. Verspätung natürlich, häppchenweise. (Lesen Sie hier: 3.787.237 Minuten Verspätung in einem Jahr) 

„Wir haben reserviert“

Steifgefroren wuchte ich irgendwann meinen Koffer in die Gepäckablage, schon steht ein Pärchen vor mir: „Wir haben reserviert.“ Ist zwar nicht angezeigt, stimmt aber dennoch. Das Reservierungssystem im verspäteten Zug hat versagt. Den 20-Kilo-Koffer also wieder runter, dasselbe Spielchen im nächsten Waggon noch mal. Und schließlich noch ein drittes Mal. Fehlt nur noch, dass der Schaffner sich mit einem Rollator durch die Gänge quält. (So rumpelt die Bahn durch die Region) 

Sie hat es mal wieder geschafft: Die Bahn frisst Urlaub auf, am Ende hat sich nur die Ökobilanz noch ein bisschen erholt.

 Lesen Sie auch: Wie romantisch ist ein Gondoliere in Venedig? 

 Bus zu früh: Wie peinlich ist das denn? 

 Telekoms Computerhilfe im Schneckentempo