„Der Richter – Recht oder Ehre“ Familiengericht: Ein Vater unter Verdacht

Von Reinhard Westendorf | 17.10.2014, 18:34 Uhr

Justiz-Thriller, Vater-Sohn-Drama, Heimkehrer-Romanze: Die Inszenierung der US-Produktion „Der Richter – Recht oder Ehre“ präsentiert sich ebenso vielgestaltig wie ambitioniert. Zumindest die großartigen Darsteller Robert Downey Jr. und Robert Duvall werden diesem Anspruch gerecht.

„Diese Familie ist ein beschissenes Picasso-Gemälde!“ Das harsche Urteil fällt Top-Anwalt Hank Palmer (Robert Downey Jr .) über seine eigene Sippe. Selbst in den alten Schmalfilmen, die Hanks jüngster Bruder und leicht unterbelichteter Hobbyfilmer Dale gelegentlich vorführt, ist das Leben der Familie Palmer nicht gänzlich ungetrübt.

Als der gestrenge Vater Joseph (Robert Duvall), ein ehrwürdiger Richter in der idyllischen Kleinstadt Carlinville in Indiana, darin Aufnahmen vom folgenschweren Autounfall seiner beiden ältesten Söhne sieht, stößt er aufgebracht den Projektor um.

Diese (nostalgisch nachinszenierten) Privatdokumente, in denen sich die isolierte Wirklichkeit des frühen Familienlebens abbildet, werden im Verlauf des 141 Minuten langen Familien- und Justizdramas „Der Richter – Recht oder Ehre“ immer wieder in den aktuellen Handlungsverlauf eingebettet.

Auf den ersten Blick sind sowohl der Vater als auch sein mittlerer Sohn Hank keine angenehmen Menschen. Obwohl sich ihre familiären Wege schon früh trennten, haben sich beide auf ihre eigene Art in der Justiz einen Namen gemacht.

Hank in Chicago als spezialisierter Strafverteidiger für offensichtlich schuldige Mandanten und Vater Joseph als gleichermaßen geschätzter und gehasster Dorfrichter. Dennoch haben Vater und Sohn seit Jahrzehnten so gut wie keinen Kontakt mehr zueinander.

Erst das Begräbnis der verstorbenen Mutter führt den kurz vor seiner Scheidung stehenden Hank zurück in seine unveränderte Heimatstadt, wo auch seine beiden Brüder und seine einstige Jugendliebe immer noch leben.

Unmittelbar nach der Bestattung der Mutter ereilt Familie Palmer der nächste schwere Schicksalsschlag: Ausgerechnet der hoch angesehene Vater, den selbst die eigenen Söhne immer nur „Richter“ nennen, wird des Mordes an einem ehemals von ihm verurteilten Straftäter verdächtigt.

Als es zur Anklage kommt, will Hank seinen Vater vor Gericht verteidigen. Doch der geheimnisvolle Alte erweist sich nicht nur als gewohnt stur, sondern auch als ungeahnt schwer krank. Der zuvor durch Komödien etablierte US-Regisseur David Dobkin („Die Hochzeits-Crasher“) kann sich bei diesem an Nebensträngen und Laufzeit etwas überfrachtetem Familiendrama von biblischem Ausmaß vornehmlich auf sein außerordentliches Schauspiel-Ensemble verlassen.

Neben den schon so oft bewährten Hauptdarstellern Robert Downey Jr . und Altstar Robert Duvall sind auch die weiteren Rollen mit Vincent D’Onofrio, Jeremy Strong, Billy Bob Thornton und der noch immer verführerischen Vera Farmiga bestens besetzt.

Der Richter – Recht oder Ehre. USA 2014, R: David Dobkin. D: Robert Downey Jr., Robert Duvall, Vera Farmiga. 141 Min., Altersfreigabe ab 6. JahrenCinema Arthouse, Filmpassage

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