Der Deutschland-Maler: Das Papenburger Haus Altenkamp zeigt Bilder von Christopher Lehmpfuhl Mit vollen Händen

Von Dr. Stefan Lüddemann | 27.09.2011, 20:00 Uhr

In Papenburg kommt es derzeit so richtig dicke – jedenfalls auf den Bildern des Malers Christopher Lehmpfuhl. Der 1972 geborene Künstler hält sich nicht mit Pinsel und Palette auf, sondern streift Handschuhe über die Hände, greift mitten hinein in die Farbberge, die er aus Tuben presst, und bringt die bunte Paste mit solch sichtbarer Lust direkt auf die Leinwand, als würde er Eiscreme kiloweise verstreichen. Pastose Malweise, säuselt der Kunsthistoriker gemeinhin vor solchen Gemälden. Er dürfte dazu auch verlegen hüsteln. Denn Lehmpfuhl schichtet in mächtigem Format ganz schön fette Malmonster auf. Der Sensationswert ist ihnen allein deshalb schon sicher.

Das Papenburger Haus Altenkamp präsentiert den Künstler, der seine Ausbildung an der Berliner Hochschule der Künste bei dem Maler Klaus Fußmann absolvierte, nun in einem großen Werküberblick. Das darf wörtlich verstanden werden. Denn Lehmpfuhl malt nicht nur mit zupackender Geste, sondern auch in offenbar atemberaubender Geschwindigkeit. In Papenburg fertigte er – gesehen, gemalt – auch gleich drei, vier Darstellungen des Hauses Altenkamp. An einem einzigen Tag, versteht sich.

Wenn Lehmpfuhl gerade nicht im Emsland wirkt, verwandelt er von Berliner Stadtansichten bis zu Industrieorten an Ruhr und Rhein oder Landschaften im fernsten Australien buchstäblich alles in einen einzigen Wirbel vor Energie berstender Malerei. Ein Malstrom als Mahlstrom: Christopher Lehmpfuhl verschlingt Farben wie Motive in höchsten Dosen und stellt sie uns in einer Malerei vor Augen, die kippende Fluchtlinien, machtvoll ausgreifende Konturkurven und berstendes Kolorit als permanenten Normalzustand etabliert. Diese Bilder anzuschauen ist so, als spürte man unablässiges Herzklopfen. Geht nicht? Aber ja doch!

Ein Mangel an künstlerischer Intensität lässt sich diesem Instinktkünstler also nicht vorhalten. Das Problem: Lehmpfuhl fährt seine Mittel bei jedem Motiv so dick auf. Das auf Dauer gestellte visuelle Vibrato regt zuerst an – und dann ab. Abstufungen fehlen eben.

Am sichtbaren Erfolg des Künstlers ändert das nichts. Im Gegenteil. Die kompakt gefassten, oft tagespolitisch relevanten Motive, der expressive Stil, die repräsentativen Formate – all das prädestiniert Lehmpfuhl für Aufträge aus Politik und Wirtschaft. Vor allem seine Berlin-Motive von Schlossplatz und Palast der Republik machen ihn zum Künstler mit Chronistenstatus.

Das hat seinen Preis. Lehmpfuhl läuft Gefahr, sich in Routine zu erschöpfen, seine Mittel zu überdehnen. Sein immer gleich gestimmter Umgang mit den Motiven grenzt zuweilen an gefährliche Indifferenz. Die Malmaschine läuft indessen geradezu übertourig weiter. 2009 erreicht Lehmpfuhl der Auftrag, zum Jubiläum der Einheit alle 16 Bundesländer zu malen. Ein Witz? Nein, tödlicher Ernst.

Papenburg, Haus Altenkamp: Christopher Lehmpfuhl. Malerei 1995 bis 2011. Bis 30. Oktober. Di.–So., 10–17 Uhr.