Debatte um Tanztheater Osnabrück Oberbürgermeister Griesert: Keine Spartenschließung

Von Dr. Stefan Lüddemann | 16.12.2016, 13:26 Uhr

Ist die Tanzsparte des Theaters Osnabrück in Gefahr? Sparvorschläge stoßen auf einhellige Ablehnung. Auch der Oberbürgermeister will keine Spartenschließung, mahnt aber zu Sparanstrengungen.

In seiner Amtszeit komme die Schließung einer Sparte des Theaters Osnabrück nicht in Frage. Das habe er dem Theaterintendanten Ralf Waldschmidt telefonisch versichert, sagte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) nach einer Mitteilung der Stadt Osnabrück. Allerdings müssten alle städtischen Gesellschaften dazu beitragen, den defizitären städtischen Haushalt zu entlasten. „Also muss auch das Theater möglichst Einnahmen steigern und Ausgaben kürzen“, heißt es in der Stellungnahme weiter. In dieser Hinsicht dürfe es keine Denkverbote geben. Das Problem liegt nach Grieserts Ansicht beim Land Niedersachsen, das die Staatstheater in Hannover, Braunschweig und Oldenburg „zunehmend besser“ stelle. Hier weiterlesen: Oberbürgermeister Wolfgang Griesert bekennt sich zum Osnabrücker Theater. 

Kulturausschuss debattierte

Die Debatte um die mögliche Schließung des Osnabrücker Tanztheaters war in der Sitzung des Osnabrücker Kulturausschusses am 14. Dezember 2016 aufgekommen. Die Ausschussmitglieder zeigten sich bestürzt über den Einsparvorschlag, der sich in einer Verwaltungsvorlage zum Nachtragshaushalt 2017 der Stadt Osnabrück fand. „Die Schließung einer Sparte wird es nicht geben“, trat Fritz Brickwedde, Vorsitzender CDU-Fraktion im Osnabrücker Stadtrat, dem Vorschlag, die Sparte Tanz am Theater Osnabrück zu schließen und damit 300000 Euro einzusparen, gleichfalls entschieden entgegen. Brickwedde: „Das Theater bleibt erhalten, mit all seinen Sparten“. Hier weiterlesen: Kulturausschuss bestürzt über Sparvorschlag 

„Leuchtturm der Attraktivität“

Das Tanztheater stehe nicht zur Disposition, versicherte Brickwedde weiter. Die Mitglieder des Ensembles sollten über die Weihnachtstage und den Jahreswechsel nicht im Unklaren gelassen werden. Deshalb die klare Positionierung. Brickwedde machte zugleich klar, dass die Stadt Osnabrück das Theater brauche, um ein Anziehungspunkt für den Zuzug weiterer Einwohner darzustellen. Nach den Worten des Kommunalpolitikers muss es darum gehen, dass Osnabrück über weiteren Einwohnerzuwachs Mehreinnahmen erzielt. Spartenschließungen am Theater seien dafür nicht der Weg. „Das Theater Osnabrück ist ein Leuchtturm der Attraktivität“, hob Brickwedde den Stellenwert der Bühne hervor. Hier weiterlesen: Osnabrücks Theater braucht alle Sparten - der Kommentar. 

Mehr Geld eingeworben

Entgeistert reagierte auch Frank Henning, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, auf die Spardiskussion. Es sei Linie der SPD-Fraktion, diese Gedanken zurückzuweisen, sagte Henning auf Anfrage. Henning verwies auf die Landesmittel, die er als Landtagsabgeordneter gemeinsam mit seinem Kollegen Volker Bajus (Bündnis 90/Die Grünen) eingeworben habe. Das Theater Osnabrück erhalte in den nächsten beiden Jahren jeweils 180000 Euro mehr Geld vom Land. „Wir können nicht das Geld, das wir aus Hannover holen, in Osnabrück gleich wieder einsparen“, sagte Henning. Mit deutlicher Kritik an der Verwaltungsvorlage reagierten auch die Osnabrücker Grünen. „Dieser Vorschlag ist unüberlegt und kontraproduktiv“, sagte Daniela Saalfeld aus dem Vorstand des Stadtverbands. Verwunderlich sei, dass der Oberbürgermeister die Erhaltung der Sparten zusage, zugleich aber einen Kürzungsvorschlag vorlegen lasse. Hier weiterlesen: Extra-Zuschuss für Theater Osnabrück .

Viele Menschen „fassungslos“

Nach den Worten von Theaterintendant Ralf Waldschmidt haben inzwischen viele Menschen „fassungslos“ auf die Sparvorschläge reagiert. Waldschmidt wandte sich nach der Tanzvorstellung „Schwanensee“ am 15. Dezember 2016 im Großen Haus des Theaters Osnabrück an das Publikum und verwies auf die Zusage von Oberbürgermeister Griesert (CDU). Das Publikum bejubelte nicht nur die Vorstellung, sondern quittierte auch die Äußerungen des Intendanten mit heftigem Applaus. Hier weiterlesen: Welche Kultur braucht Osnabrück? Experten diskutieren bei NOZ Medien .

250000 Euro jährlich weniger

Nach den Worten Waldschmidts sei das Thema Einsparungen damit allerdings nicht vom Tisch. Ab 2017 spare das Theater jährlich ohnehin schon 250000 Euro pro Jahr ein. „Jede weitere Sparrunde bedroht das Theater in seinem Bestand“, sagte Waldschmidt, der auf das besondere Engagement der Tanzcompagnie verwies. Die aktuelle Produktion „Schwanensee“ sei fast durchgehend ausverkauft, auch sonst erreichten die Tanzvorstellungen hohe Auslastungsquoten. Für die Rekonstruktion der „Totentanz“-Choreografien von Mary Wigman habe eine Förderung der Bundeskulturstiftung eingeworben werden können.