Blogger Badawi weiter in Haft Saudi-Arabien und die Medien: Widerspruch mit Folgen

Meinung – Dr. Stefan Lüddemann | 08.06.2016, 19:33 Uhr

Saudi-Arabien will den Sprung in die kulturelle Moderne schaffen. Medienzentren sollen es richten. Gleichzeitig wird der Blogger Raif Badawi gezüchtigt. Das passt nicht zusammen.

Ein Medienzentrum als Ort des modernen Lebens und Stockhiebe für all jene, die diese Modernität wirklich leben wollen: Mit seinen neuen Plänen für einen medialen und künstlerischen Aufbruch produziert Saudi-Arabien Bilder des schlagenden Widerspruchs. Eine junge Generation des Herrscherhauses möchte offenbar das Tor für eine neue Zeit öffnen. Gleichzeitig wird der Blogger Raif Badawi öffentlich ausgepeitscht . Wie passt das zusammen? Gar nicht.

Der Widerspruch verweist auf das zentrale Problem eines Kulturimports, dem jede historische Voraussetzung fehlt. Mit Museum und Medienzentrum werden Bildwelten in einer Gesellschaft des Bilderverbots inszeniert. Westliche Kunst setzt einen Toleranzbegriff voraus, der in Saudi-Arabien befremdet.

Gesellschaften können technische oder ökonomische Sprünge vollziehen. Kulturelle Sprünge gibt es nicht . Veränderungen in der Kultur setzen lange Wandlungs- und Lernprozesse voraus. Einstweilen wirken nach westlichen Maßstäben konzipierte Kulturhäuser in Golfstaaten wie Fremdkörper. Die Saudis setzen einen Anfang. Gleichzeitig züchtigen sie den Blogger weiter. Inszenierte Moderne wirkt da einfach unglaubwürdig.