„Big Air Package“ in Oberhausen Künstler Christo kommt nach Deutschland – mit Knoblauch im Gepäck

Von Joachim Schmitz | 05.10.2012, 21:59 Uhr

Kein Namensschild oder sonst was an der Tür des ehemaligen Fabrikgebäudes im New Yorker Stadtteil Soho am Rande der Chinatown – aber die Adresse stimmt. Ich klingele auf Verdacht, und tatsächlich erscheint Christo, der weltberühmte Künstler, der 1995 die Deutschen mit der Verhüllung des Reichtags faszinierte.

An den Wänden des riesigen Ateliers hängen Zeichnungen seiner geplanten Projekte in Colorado und Abu Dhabi. Agil und drahtig ist er trotz seiner 77 Jahre, das Haar ist weiß geworden, die Falten tief. In der Jeans klafft ein riesiges Loch über dem Knie, in der Luft liegt ein kräftiger Hauch von Knoblauch. Wir unterhalten uns über bulgarisches Frühstück in Amerika, seine verstorbene Frau Jeanne-Claude und seine nächste Installation in Deutschland:

Christo, gab’s bei Ihnen heute Knoblauch zum Frühstück?

Ja, das stimmt. Das mache ich seit vielen, vielen Jahren. Ich liebe Knoblauch. Ich esse jeden Tag eine ganze Knolle rohen Knoblauch. Morgens hacke ich den Knoblauch in kleine Stückchen, gebe ihn dann in eine große Schüssel und esse ihn zusammen mit ganz viel Naturjoghurt und einer Banane. Dazu nehme ich viele Vitamine und Kräuterextrakte. Vielleicht rieche ich nach Knoblauch.

Halb so wild. Gehört das Knoblauchessen zu ihren bulgarischen Wurzeln?

Ja, genauso der Joghurt. In Joghurt steckt der berühmte Inhaltsstoff „Bacillicus Bulgaricus“ oder so ähnlich. Aber nur in Joghurt aus Bulgarien.

Gibt es noch andere bulgarische Wurzeln, die Sie bis heute pflegen?

Nein. Ich habe Bulgarien 1956 verlassen und war seitdem auch nie wieder dort. Ich bin zwar in Bulgarien geboren, aber meine Mutter stammt aus Mazedonien. Mein Vater ist halb Bulgare, halb Tscheche. Deshalb bin ich streng genommen nur zu einem Viertel Bulgare, zur Hälfte Mazedonier und zu einem Viertel auch noch Tscheche. Ich war 1956 in Prag, als die ungarische Revolution begann. Danach floh ich aus einem weiteren kommunistischen Land, der Tschechoslowakei, im Januar 1957 in den Westen. Dann ging es für mich nach Wien, aber als 21-Jähriger wollte ich natürlich nach Paris. Dort kam ich 1958 an und traf im November Jeanne-Claude.

Seit Ende der 50er-Jahre verzichten Sie sogar auf Ihren bulgarischen Nachnamen und nennen sich nur noch Christo.

So kann man das nicht sagen. Um in Paris zu überleben, malte ich realistische Porträts von Kindern, Damen oder irgendwelchen reichen Leuten und signierte diese mit „Jawaschew“. Aber die Leinwände meiner eigenen Kunst unterschrieb ich immer mit Christo.

Vorher haben Sie in Wien studiert.

Doch, aber nur ein Semester lang. Um in Wien nicht in das Flüchtlingslager gehen zu müssen, habe ich alles darangesetzt, mich an der Universität einzuschreiben und einen Studentenausweis zu bekommen. Als politischer Flüchtling ist es nämlich das Schrecklichste, ins Flüchtlingslager zu kommen – von dort kann man nirgendwo anders mehr hingehen. Doch mit einem Studentenausweis konnten sie mich nicht in das Lager stecken. Deshalb schrieb ich mich in Wien an der Kunstakademie ein und studierte dort für ein Semester, von Januar 1957 bis Mai 1957.

Können Sie aus dieser Zeit noch ein paar Worte Deutsch?

Deutsch spreche ich eigentlich eher wegen meiner späteren Besuche in Deutschland. Wir waren sehr oft in Deutschland, schon meine erste Ausstellung als junger Künstler war 1961 in Köln.

Obwohl Ihre Frau seit fast drei Jahren tot ist, sagen Sie immer noch „wir“ und „uns“.

Ja, wir haben schließlich an den Projekten, die wir realisieren, viele, viele Jahre zusammengearbeitet. An der Mastaba in Abu Dhabi haben wir zum Beispiel von 1979 bis 1991 gemeinsam gearbeitet.

Und wie halten Sie es mit Ihrem neuen Projekt in Oberhausen?

Oberhausen ist für uns kein Projekt. Das ist eine Museumsinstallation. Es gibt Unterschiede zwischen den richtig großen Projekten und den Ausstellungen. Der verhüllte Reichstag, „The Umbrellas“ oder „The Gates“ in New York waren alles öffentliche und frei zugängliche Projekte. Sie waren riesengroß und oft kilometerlang. Diese Projekte mitten in der Stadt oder auf dem Land sind richtige Projekte für Christo und Jeanne-Claude. Wir haben auch viele Ausstellungen, die Fotografien der öffentlichen Projekte zeigen. Auch diese Ausstellungen sind von Christo und Jeanne-Claude. Manchmal gibt es aber auch Ausstellungen mit Zeichnungen und Skizzen, die allesamt von mir ganz allein persönlich angefertigt worden sind. Ich habe keinen Assistenten. Jedes einzelne Original wurde von mir persönlich gezeichnet. Wirklich alles.

Es gibt also jede Menge zu organisieren.

Erst als Jeanne-Claude starb, habe ich von ihr zwei junge Männer „geerbt“, die viele Jahre für Jeanne-Claude gearbeitet hatten und nun für mich die Büroarbeiten übernommen haben. Einer ist Jeanne-Claudes Neffe Jonathan Henry, der sie 20 Jahre lang unterstützt hat. Der andere ist mein Neffe Wladimir, der ebenfalls 20 Jahre für Jeanne-Claude im Büro gearbeitet hat. Sie kümmern sich für mich um alles Geschäftliche und alles Organisatorische für unsere Reisen und Ausstellungen.

Es wird alles von hier aus organisiert?

Die beiden kümmern sich um die Händler, Kuratoren, Museen und Projektleiter. Jeder Projektleiter hat seinen eigenen Verantwortungsbereich. Jedes einzelne Projekt hat seinen eigenen Manager und ist eine eigene riesige Organisation. Die sind nicht hier vor Ort. Wir haben zum Beispiel für den verhüllten Reichstag ein eigenes Büro in Berlin gehabt, inklusive Geschäftsführer und eigener Struktur. Genauso für „Over the River“ oder „The Mastaba“. Wir haben ein Büro in Abu Dhabi, ein Büro in London, wir arbeiten mit Leuten in Washington und in ganz Europa.

Sie haben auch einen Sohn. Arbeitet er auch für Sie?

Mein Sohn ist 52 Jahre alt, lebt in Santa Fe und hat einen sieben Jahre alten Sohn. Er führt sein eigenes Leben, ist ein extremer Umweltaktivist. Seit seinem 14. Lebensjahr reist er um die Welt und engagiert sich heute mit Feuereifer für die Rettung der Welt. Er will alles schützen und erhalten: die wild lebenden Tiere, Stämme, Naturvölker.

Bis heute arbeiten Sie nicht mit Sponsoren zusammen. Wie funktioniert das?

Das Geld stammt einzig und allein aus den Verkäufen meiner Original-Kunstwerke. Man nennt diese Bilder vorbereitende Studien, die alle vor der Realisierung der Projekte angefertigt werden. Sobald ein Projekt realisiert ist, fertige ich davon keinerlei handgemalte Zeichnungen mehr an. Nie. Die Zeichnungen spiegeln die Evolution der Projekte wider. Die optische Entwicklung, die Proportionen, die Farben. All diese Werke sind Einzelstücke. Beim Reichstag zum Beispiel habe ich innerhalb von 25 Jahren über 600 Originalwerke angefertigt. Von ganz kleinen, etwa briefgroßen Zeichnungen bis hin zu ganz großen Bildern. Dazu habe ich unter anderem auch noch vier unterschiedlich große, maßstabsgetreue Modelle gebaut. All diese Arbeiten wurden über die Jahre hinweg an Sammler verkauft. So nehmen wir das Geld für unsere Projekte ein.

Beim Reichstags-Projekt hatten Sie über fünf Millionen Besucher. War es eines Ihrer wichtigsten Projekte?

Jeanne-Claude antwortete auf diese Frage immer mit einer Gegenfrage: „Wie viele Kinder haben Sie?“

Keines.

Wie viele Kinder hat Ihre Mutter geboren?

Zwei.

Dann fragen Sie Ihre Mutter, welches Ihr Lieblingskind ist (lacht). So ist das auch bei uns. Jedes unserer Projekte ist wie ein großes Stück unseres Lebens. Sie sind für uns etwas ganz Besonderes und immer einzigartig. Wir werden niemals mehr ein anderes Parlamentsgebäude verhüllen, genauso wenig eine andere Brücke. Wir werden auch nie wieder irgendwo Regenschirme oder einen zweiten laufenden Zaun installieren. Wir werden auch nie wieder irgendwo ein Tor wie bei „The Gates“ aufbauen. Jedes Projekt ist in seiner Form und visuellen Anmutung absolut einmalig und dank seines einzigartigen Designs absolut unvergleichlich. Deshalb lieben wir diese Projekte, auch wenn wir 20 Jahre lang daran arbeiten müssen.

Wäre es nicht verlockend, auch andere Parlamentsgebäude zu verhüllen?

Als wir mit „The Gates“ in New York fertig waren, standen bei uns jede Menge Bürgermeister Schlange, die uns regelrecht anbettelten, dass wir „The Gates“ auch in ihrer Stadt, in ihrem Park aufstellen. Genauso nach dem Reichstag. Unzählige Städte wollten, dass wir ihre Rathäuser oder sonst irgendwelche Gebäude verhüllen. Das ist aber ein ganz naives Denken. Es wird so etwas nie wieder geben, auch kein zweites „Surrounded Islands“.

Warum nicht?

Wir würden uns ja selbst beschummeln, wenn wir ein Projekt machen, von dem wir schon wissen, wie es gemacht wird. Für Jeanne-Claude und mich war es immer besonders spannend, Dinge zu tun, von denen wir im Vorfeld keine Ahnung hatten, wie und ob sie funktionieren. Es ist eine unglaubliche, große Aufgabe, etwas zu machen, was es so vorher noch nie gab. Wir müssen uns das Wissen dazu aneignen und Lösungen finden. Wir sind keine Wunderkinder, sondern brauchen auch mal einen Ingenieur. Aber wir müssen auch nachdenken, überlegen, tüfteln. Und das ist eben das Spannende. Sobald man weiß, wie es geht, und man anfängt, die Dinge zu wiederholen, wäre es mir viel zu langweilig.

Der Reichstag war ja besonders schwierig zu verwirklichen – weil Kanzler Kohl dagegen war.

Ja, und Herr Schäuble auch. Wir haben alles versucht, Kohl zu treffen und mit ihm zu sprechen – vergeblich. Aber Schäuble hat letztendlich seine Meinung geändert. In einem Interview sagte er, es sei ein Fehler gewesen, dagegen zu sein.

Im März kommen Sie wieder nach Deutschland – wie weit sind Sie mittlerweile mit dem „Big Air Package“ in Oberhausen?

Wir sind gut in der Zeit. Ich denke, dass wir pünktlich am 15. März eröffnen werden, Bundestagspräsident Lammert soll auch kommen, wurde mir gesagt.

Was ist das Besondere daran?

Die Besucher müssen in das Auditorium hineingehen. Das Äußere kann man dann vom Fahrstuhl aus betrachten. Aber das Innere ist besonders anregend, denn man läuft tatsächlich auf dem Gewebe. Wenn man das Innere betritt, wirkt der ganze Raum wie eine 90 Meter hohe Kathedrale. Einfach wunderschön.

Eine Kathedrale aus Luft.

Aber nein, sie ist doch nicht aus Luft. Es gibt allein 4,5 Kilometer Seile, die für das ganze Gebilde so ähnlich wie ein Skelett wirken. Aber das Skelett ist nicht im Inneren, sondern auf der Außenseite. Die Seile bringen das Luftkissen in Form und machen es zu einer Art Skulptur. Nur sieht man die Skulptur eben von innen. Die Wände sind auch nicht einfach glatt. Die Seile bändigen den Stoff, wodurch wunderschöne, auf und ab wallende, sich überlagernde Schichten entstehen. Das müssen Sie unbedingt sehen. Das ist sehr, sehr spannend. Es wird wirklich wunderschön. Ich weiß schließlich, wie es aussehen kann. Das Material, das wir benutzen, ist sehr, sehr licht, sodass das Licht von den Projektoren und von draußen am Gasometer ins Innere des Kissens dringen kann, dabei aber indirekt und diffus wirkt. Der Stoff und das Licht spielen sehr gut zusammen.

Dahinter steckt doch auch eine Botschaft, die Sie mit dem Ganzen verbinden.

Was für eine Botschaft? Da ist keine Botschaft. Meine Botschaft ist die Schönheit. Das ist bei all unseren Projekten so. Das Wichtigste für unsere Kunstwerke war und ist, dass sie auf der visuellen Ebene aufregend und spannend sind. Die bildende Kunst beschäftigt sich mit der Schönheit nicht im abstrakten Sinne, sondern vielmehr im Sinne von visueller Spannung. Was ist visuelle Spannung? Das Zusammenspiel aus Proportionen, Bewegung, Verbindungen, Linien, Freiräumen, Farben und all diesen Dingen. Das ist die Schönheit. Nehmen wir einmal die Musik von Bach. Man muss seine Ohren darauf eingestimmt haben, um diese manchmal monotonen, aber gleichzeitig fast schon mysteriösen und halluzinierend wirkenden Töne und Klänge wirklich zu mögen. Genauso ist es mit der bildenden Kunst. Es ist wichtig, sich darauf einzulassen.

Sie haben einmal gesagt, dass Ihre Kunst nutzlos sein muss.

Natürlich ist Kunst nutzlos. Kunst ist vollkommen irrational, und es gibt auch keinen guten Grund für sie zu existieren. Ich bin absolut der Meinung, dass jederlei Kunst, in der eine sogenannte „Message“ steckt, im wesentlichen Sinne Propaganda ist. Ich bin aus einem kommunistischen Land geflohen, genau aus diesem Grund.

Aber deshalb muss Kunst doch nicht nutzlos sein.

Ich finde Kunst nutzlos. Nehmen wir mal Gedichte. Die Welt kann auch wunderbar ohne diese Dinge existieren. Aus diesem Grund können auch nur Menschen Kunst machen. Sie hat eigentlich keinen richtigen Existenzgrund. Das ist der Kern der Freiheit. Das ist die absolute Freiheit.

Viele Ihrer Kunstwerke sind zeitlich begrenzt. Macht es Sie nicht ein bisschen traurig, dass Ihre Projekte immer nur so kurz zu sehen sind?

Überhaupt nicht. Wenn das Projekt wieder abgebaut ist, kann ich endlich wieder durchatmen (schnauft). Wissen Sie, sobald das Projekt steht und eröffnet wurde, sind wir für alles verantwortlich. Im wahrsten Sinne des Wortes für alles – die Security, die Regelung des Verkehrs, alles Mögliche. Wir sind während der Zeit nonstop damit beschäftigt aufzupassen, dass wirklich alles rund läuft. Und nach 14 Tagen und 14 Nächten, in denen man kaum zum Schlafen kommt, ist man einfach froh, wenn man das Projekt wieder abbauen kann. Außerdem ist der temporäre Charakter der Projekte eine absolut ästhetische Entscheidung. Natürlich gibt es davon auch noch Zeichnungen, Fotografien und Filme, aber das reale Projekt erlebt man nur, wenn man dort war und es gesehen hat. Und das macht es einzigartig. Das ist genauso wie mit unserem Leben. Momente lassen sich nicht wiederholen.

Sie arbeiten aktuell noch an zwei riesigen Projekten – „Over the River“, der Verhüllung eines Flusses, und der Mastaba, einer Pyramide aus über 390000 Ölfässern. Können Sie sicher sein, dass beides verwirklicht wird?

Wir haben bereits 13 Millionen Dollar ausgegeben, um für „Over the River“ eine Genehmigung zu bekommen. Aber wir müssen noch weitere große Probleme lösen. Der wichtigste Teil des Projekts ist fast 62 Kilometer lang und das Land Eigentum der Regierung in Washington. Die Regierung hat uns im November vergangenen Jahres die Erlaubnis für die Installation erteilt. Aber eine Gruppe der dort lebenden Bürger versucht, das Projekt zu stoppen. Diese Leute sind jetzt vor das höchste Bundesgericht der USA gezogen, weil sie nicht damit einverstanden sind, dass die Regierung unser Projekt genehmigt hat. Der Fall ist nun also vor dem Bundesgericht, aber die Mühlen dort mahlen sehr langsam. Dasselbe bei dem anderen Projekt. Wir haben mit den Arbeiten 1979 begonnen, waren sehr fleißig, und jetzt ist es wirklich schon sehr weit fortgeschritten, also könnte es vielleicht sogar vor dem anderen realisiert werden. Aber man weiß es ja nie so recht. Das ist eben das Spannende.

Im Vergleich dazu ist das „Big Air Package“ in Oberhausen ja richtig klein.

Nein, nicht klein. Das ist etwas wirklich Machbares. Im Gasometer ist der Platz überschaubar, dort ist alles sehr kontrollierbar. Auch wenn es mal Schwierigkeiten gibt, sind diese doch immer noch völlig beherrschbar. Es sind ja keine riesigen, kilometerweiten Projektflächen, die man überschauen muss. Einfach ist es dennoch nicht.

Warum nicht?

Man kann das „Big Air Package“ nicht draußen produzieren, dafür ist es zu groß. Also wird das Ganze direkt im Gasometer zusammengenäht. Das ist das Spannendste an dieser Installation. Alles zu nähen, zu bewegen, die Seile zu spannen, und das an einem so vertrackten Ort. Die Seile dort hoch und immer höher zu ziehen – ich habe keine Ahnung, wie das gemacht werden wird.

Sie fangen oben am Dach an und dann...

Nein, nein, die fangen unten auf dem Boden an. Wissen Sie überhaupt, wie schwer das Ding sein wird? Über 5,5 Tonnen! Da können sie doch nicht vom Dach aus anfangen. Sie müssen auf dem Boden, in der Mitte des Gasometers beginnen und die Stücke zusammennähen und dann... puh... Stück für Stück und dann wieder Stück für Stück und wieder Stück für Stück, während sie auf dem Material herumlaufen. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie das funktionieren wird.

Christo

wird am 13. Juni 1935 als Christo Wladimirow Jawaschew im bulgarischen Gabrovo als Sohn der Generalsekretärin der Kunstakademie in Sofia und eines Chemiefabrikanten geboren. Am selben Tag kommt in Casablanca die französische Generalstochter Jeanne-Claude Denat de Guillebon zur Welt.

Von 1952 bis 1956 studiert Christo an der Kunstakademie in Sofia. Nach dem gescheiterten Volksaufstand in Ungarn flüchtet er in einem verplombten Eisenbahnwaggon nach Wien. Dort studiert er ein Semester an der Kunstakademie. Über die Schweiz kommt Christo 1958 nach Paris, lebt zunächst als Porträtmaler und lernt Jeanne-Claude kennen. 1959 heiratet das Paar, 1960 kommt Sohn Cyril zur Welt.

Ab 1961 wurde Christo mit verhüllten Stühlen, Instrumenten, Verkehrsschildern und Gebäuden bekannt. Das erste gemeinsame Verhüllungsprojekt der beiden in Deutschland ist der „Wrapped Renault 4 CV“. In Paris schließt sich Christo der Künstlerbewegung des „Nouveau Réalisme“ an. Das erste Mal für Aufsehen sorgte Christo mit der Aktion „Iron Curtain – Wall of Oil“ – einer Wand aus Ölfässern, mit der er gegen den Bau der Mauer in Berlin demonstrieren will.

1964 wandert das Paar nach New York aus, bleibt aber künstlerisch auch in Europa aktiv. Christo nimmt 1968 an der 4. Documenta in Kassel teil, füllt eine Riesenwurst aus Kunststoff mit Luft und lässt sie 83 Meter hoch steigen. Im Laufe der Zeit nehmen die Kunstwerke von Christo immer größere Dimensionen an. So verhüllt er 1969 in Australien einen Teil der Felsenküste unter 900000 Quadratmeter Plastikfolie. 1972 verhängt Christo in Colorado/USA einen Talabschnitt mit einem 380 Meter breiten Nylonvorhang. Internationales Aufsehen erregt sein 40 Kilometer langer Nylonzaun („Running Fence“) in Kalifornien.

1985 verkleidete Christo den Pont Neuf, die älteste Brücke in Paris, und begeistert die Einwohner der französischen Hauptstadt.

Sechs Jahre später verwirklicht Christo mit „The Umbrellas“ erstmals ein Kunstwerk gleichzeitig auf zwei Kontinenten. Er stellt auf den hügeligen Feldern eines schmalen Tals in der Nähe von Los Angeles 1760 Schirme aus gelbem Kunststoff auf. Zur gleichen Zeit öffnen sich 1360 blau bespannte Schirme auf japanischen Reisfeldern.

Ein weiterer großer Erfolg ist sein 1993 realisiertes Projekt „Surrounded Islands“: Christo umhüllt vor der Küste vor Miami/Florida elf kleine Inseln mit rosa Plastik und verwandelte sie damit in „Seerosen“. Das Geld für die zeitaufwendigen und kurzlebigen Kunstprojekte bringt das Paar selbst auf. Die Collagen und Zeichnungen zu den jeweiligen Projekten erweisen sich stets als Sammlerobjekte, Sponsoren gibt es keine.

Seit 1994 treten Christo und Jeanne-Claude nur noch als gemeinsames Künstlerduo auf, um hervorzuheben, dass ihre Werke als Teamwork entstehen. Der größte Erfolg der beiden ist die spektakuläre Verhüllung des Reichstags 1995 in Berlin mit über fünf Millionen Besuchern. 1998 dann „The Wall“: Im Oberhausener Gasometer stapeln sie 13000 bunt bemalte Ölfässer auf. Nach Oberhausen kehrt Christo am 15. März 2013 zurück – dann wird im Gasometer seine Installation „Big Air Package“ eröffnet – ein begehbarer Ballon, gebändigt von 4,5 Kilometer Seil und getragen von zwei gewaltigen Gebläsen.

Jeanne-Claude stirbt am 18. November 2009 im Alter von 74 Jahren in New York an einer Hirnblutung – ihr Mann treibt gemeinsam begonnene Projekte bis heute weiter voran und will in Colorado einen Fluss über mehr als 60 Kilometer Länge verhüllen und in Abu Dhabi eine Pyramide aus mehr als 390000 Ölfässern bauen – höher als die Pyramide von Gizeh. js