Berühmte Musikerfamilien Von den „Jackson Five“ bis zur „Kelly Family“

Von Christian Lang | 26.09.2015, 09:30 Uhr

Der Rhythmus scheint ihnen im Blut zu liegen: Ob „Jackson Five“, die „Bee Gees“ oder die „Kelly Family“ – Viele Familien haben die Geschichte der Musik nachhaltig geprägt. Eine Auswahl bekannter Musikerfamilien.

Es ist eine Frage, auf die die Forschung bislang noch keine eindeutige Antwort gefunden hat: Ist Musikalität vererbbar? Zwei Auffassungen stehen sich dabei gegenüber. Während einige Wissenschaftler behaupten, dass allein die Gene darüber bestimmen, wie musikalisch eine Person ist, vertreten andere wiederum die Ansicht, alles sei eine Frage der Umweltfaktoren.

Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen: Ein gewisses musikalisches Potenzial kann durchaus durch günstige Gene vorhanden sein, es muss aber auch dementsprechend gefördert werden. Letztlich ist es wohl kaum möglich, zwischen angeborener und erlernter Musikalität zu unterscheiden. Und das allein schon, weil der Begriff an sich interpretationsbedürftig ist: Wann gilt ein Mensch als musikalisch? Reicht es schon, wenn er bei Singstar ein paar Töne trifft und 3000 Punkte erreicht? Oder muss er mehrere Instrumente spielen können?

Ob angeboren oder erlernt – fest steht zumindest, dass viele Familien die Musikgeschichte geprägt haben. Die Liste der Bands, die aus Geschwistern bestehen, ist lang. Ein Überblick über die bekanntesten Musikerfamilien.

Prügel und Erfolge: „The Jackson Five“:

Mit weit mehr als 100 Millionen verkaufter Platten ist die Familienband aus dem US-Bundesstaat Indiana die erfolgreichste Black-Music-Gruppe aller Zeiten. Mittlerweile ist die Combo, die in den 70ern mit ihrem Mix aus Soul, Funk und R&B bahnbrechende Erfolge gefeiert hat, aber in Vergessenheit geraten. Das liegt unter anderem an Michael, dem mit Abstand erfolgreichsten Jackson-Sprössling. Seine Solokarriere, aber auch seine zahlreichen Skandale – vom plötzlichen Wechsel seiner Hautfarbe bis hin zu den Missbrauchsvorwürfen und den nach wie vor mysteriösen Umständen seines Todes 2009 – haben den öffentlichen Fokus seit Beginn der 80er auf ihn gelenkt.

Die „Jackson Five“ sind ein gutes Beispiel dafür, welch dominierende Rolle ein Elternteil bei der Berufswahl seiner Kinder einnehmen kann. Joseph „Joe“ Jacksons eigene Musikkarriere scheiterte – und damit auch der Versuch, mit der Band „Falcons“ die Armut der Familie aus der Kleinstadt Gary zu durchbrechen. Stattdessen entdeckte er jedoch bei seinen Kindern ein musikalisches Talent, das er fortan förderte. Teilweise mit brutalen Mitteln, wie ihm seine Sprösslinge später vorwarfen. Prügeleien seien an der Tagesordnung gewesen, wenn die Sprösslinge nicht spurten oder nicht richtig üben wollten, hieß es.

Zuerst waren es „The Jackson Brothers“

1962 markiert den Beginn der „Jackson Five“ – in diesem Jahr gründete der Vater sozusagen die Vorläuferband „The Jackson Brothers“, bestehend aus Jermaine, Tito und Jackie. Ein Jahr später kamen die jüngeren Brüder Michael und Marlon hinzu. Nachdem die Band – sie nannte sich mittlerweile „The Jackson Five“ – jahrelang bei Familienfeiern, Festivals und in Nachtclubs aufgetreten war und zahlreiche Talentwettbewerbe gewonnen hatte, erhielt sie 1967 ihren ersten Vertrag bei einem kleinen Label. Zwei Jahre später dann der Durchbruch: Plattenvertrag bei Motown Records, das bereits Künstler wie Stevie Wonder bekannt gemacht hatte. Die Single „I Want You Back“ erklomm sofort die Spitze der US-Charts, ebenso die drei nächsten Songs. Spätestens mit der ersten Welttournee wurden aus den Jackson-Kindern Stars. Eine eigene wöchentliche Cartoon-Serie sollte das Leben der Bandmitglieder nachzeichnen, 1976 erhielten die Jacksons gar eine eigene Unterhaltungsserie auf dem Sender CBS, in der sie Sketche und Musik aufführten. Auch die Schwestern Rebbie, LaToya und Janet Jackson wirkten in der Sendung mit und erlangten dadurch einen größeren Bekanntheitsgrad.

Zu diesem Zeitpunkt stand die Band schon nicht mehr bei Motown unter Vertrag, wo sie insgesamt elf Alben herausgebracht hatte. Als das Label den Sängern untersagte, eigene Songs zu schreiben, wechselten die „Jackson Five“ zu Epic – um nicht wegen Vertragsbruchs verklagt zu werden, nannten sie sich von nun an „The Jacksons“. Da Jermaine bei Motown blieb, um eine Solokarriere zu starten, wurde er durch Steven Randall „Randy“ Jackson ersetzt. Erst Anfang der 80er kehrte er zur Gruppe zurück – und machte die Band dadurch zum Sextett.

Michaels Alleingang

Die Songs der Jacksons blieben auch bei Epic weltweit erfolgreich, die Konzert-Tourneen lockten Millionen an. Der Lohn: 1979 erhielt die Band einen Stern auf dem berühmten „Walk of Fame“ in Hollywood. Dennoch deuteten sich bereits damals schon die ersten Anzeichen für das baldige Aus an. Michael brachte mit „Off The Wall“ sein erstes Solo-Album heraus – mehr als 20 Millionen Mal ging es über den Ladentisch. Er blieb zwar seinen Brüdern weiterhin treu, doch mit seinem 1982 veröffentlichten Album „Thriller“ setzte er musikalische Maßstäbe – es wurde zum meistverkauften Album in der Geschichte, 37 Wochen in Folge belegte es den Spitzenrang in den US-Charts. Was viele Fans befürchtet hatten, trat 1984 ein: Am Ende der „Victory“-Welttournee kündigte Michael an, die Gruppe zu verlassen. 

Fünf Jahre später veröffentlichten Randy, Jermaine, Jackie und Tito mit „2300 Jackson Street“ das letzte Album der Band, wenige Monate danach trennte sich die Gruppe. Die Mitglieder verfolgten danach Solokarrieren – mit unterschiedlichem Erfolg. An die Verkaufszahlen von Michael, dem „King of Pop“, kam letztlich niemand von ihnen heran.

Unter Brüdern: die „Bee Gees“:

„Stayin’ Alive“, „Night Fever“, „How Deep is your Love“ – diese Songs verdankt die Musikwelt den Gebrüdern Gibb, besser bekannt unter dem Bandnamen „Bee Gees“. Fast 50 Jahre prägten Barry, Maurice und Robin Gibb mit ihrem Falsett-Gesang die Popgeschichte – in dieser Zeit verkauften sie rund 220 Millionen Platten und gewannen sieben Grammys. Laut Guinness-Buch der Rekorde sind die Brüder die „erfolgreichste Familienband aller Zeiten“. Dabei war die Karriere der Gruppe von zahlreichen Aufs und Abs geprägt, auch das Ende der Band kam unerwartet und dramatisch zustande.

Nachdem die Familie 1958 von England nach Australien auswanderte, gelangten die drei Brüder mit ihren selbst geschriebenen Songs und ihrer Beatmusik schnell zu lokalem Ruhm, 1960 erhielten sie sogar bei einem regionalen Fernsehsender eine eigene Show.

Konkurrenten der „Beatles“

 Ihren ersten Nummer-1-Hit in „Down Under“ hatten die drei 1965 mit dem Song „Spicks and Specks“. Anschließend verließen sie Australien und kehrten nach England zurück, wo sie unter ihrem neuen Produzenten innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Erfolgsalben veröffentlichten. Von Experten als ernst zu nehmende Konkurrenten der „Beatles“ gehandelt, stiegen die „Bee Gees“ zu einer festen Größe im Pop-Business auf – und zu Sexsymbolen: Das „People Magazine“ wählte Barry Gibb 1968 zum Sexiest Man Alive. Auch die anderen Musikgrößen dieser Zeit bewunderten die Kompositionen der Brüder: Elvis, Janis Joplin und Al Green sind nur einige der Interpreten, die Lieder der „Bee Gees“ coverten, später sollten unter anderem noch Céline Dion, En Vogue und Beyoncé dazukommen.

Anfang der 70er dann jedoch die ersten Rückschläge: Ihre Texte wurden von den Kritikern zunehmend verrissen, Platzierungen in den Top Ten waren Fehlanzeige, eine Plattenfirma weigerte sich sogar, ein bereits fertig produziertes Album der Band zu veröffentlichen. Streitigkeiten zwischen den Brüdern sorgten darüber hinaus für eine kurzzeitige Trennung der „Bee Gees“.

Ah ah ah ah: „Stayin’ Alive“

Eine musikalische Neuausrichtung brachte schließlich die Wende: Die Brüder wanderten in die USA aus, wo sie zu den Topstars des Disco-Fiebers aufstiegen. Der Soundtrack zum Film „Saturday Night Fever“ machte sie 1977 endgültig zu Weltstars, die Platte verkaufte sich mehr als 40 Millionen Mal, sie ist damit in den USA nach wie vor der zweitmeistverkaufte Soundtrack aller Zeiten. Damit nicht genug: Zwischen 1978 und 1979 hatte die Band in den Vereinigten Staaten sechs Nummer-eins-Hits in Folge, neben den Beatles sind sie immer noch die einzige Gruppe, die mit fünf Songs gleichzeitig in den Top Ten vertreten war.

Tod von Maurice und Robin Gibb

 Mit dem Ende der Disco-Ära ließen es die „Bee Gees“ ruhiger angehen. Mehr Zeit mit der eigenen Familie zu verbringen und zudem andere Künstler zu promoten – das besaß bis Ende der 80er erst einmal Priorität. 1987 feierte die Band abermals ein grandioses Comeback: Für die Auskopplungen ihres Albums „E.S.P.“ erhielt die Gruppe zahlreiche Gold- und Platin-Auszeichnungen. 14 Jahre später erschien die Platte „This is Where I Came in“ – es sollte das letzte Studioalbum der Band werden.

Völlig überraschend starb Maurice Gibb im Januar 2003 an den Folgen einer Darmverschlingung. Die beiden anderen Brüder entschlossen sich durch den Todesfall, nie wieder unter dem Namen „Bee Gees“ aufzutreten; 2006 verkündeten sie das offizielle Aus der Band. Zwar traten Barry und Robin 2009 nochmals bei einigen Konzerten gemeinsam auf, doch weitere Projekte gingen sie nicht an. Barry ist mittlerweile der einzige der drei Brüder, der noch am Leben ist. Robin Gibb starb 2012 an Krebs.

Geliebt und verspottet: „The Kelly Family“:

Von Millionen Teenies verehrt, von Kritikern wegen ihres alternativen Lebensstils verspottet: Kaum eine andere Band spaltete in den 90ern die Öffentlichkeit derart stark wie die „Kelly Family“. Mit 20 Millionen verkaufter Tonträger und Dutzenden Gold- und Platin-Schallplatten gehört die Folk- und Popgruppe jedoch zu den erfolgreichsten Musik-Acts der letzten Jahrzehnte. „Außergewöhnlich“ – dies ist ein Begriff, der ideal zur Großfamilie passt, deren Wurzeln in Irland liegen. Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten die Vorfahren wegen der dortigen Hungersnot in die USA aus.

Familienvater und Bandgründer Daniel Jerome „Dan“ Kelly entschloss sich in den 60ern dazu, mit der Familie die Staaten zu verlassen und nach Europa zurückzukehren. Spanien, Irland, Deutschland, Frankreich: Eine wirkliche Kontinuität des Wohnorts hat es danach auch nicht gegeben. Stattdessen tingelte die Familie quer durch Europa. Seine Kinder unterrichtete Dan selbst, ein Nachbar brachte ihnen die Musik näher . Die insgesamt zwölf Geschwister lernten fast alle, ein Instrument zu spielen. 

„The Kelly Kids“ machten den Anfang

Schon früh machten sie musikalisch auf sich aufmerksam: Als „The Kelly Kids“ traten die Sprösslinge bei Dorffesten, Hochzeiten und Geburtstagen auf und besserten damit die Familienkasse auf. Ende der 70er erhielt die Gruppe ihren ersten Plattenvertrag, durch Auftritte in mehreren TV-Shows erlangten die Kelly-Kinder nun auch eine wachsende Bekanntheit. Der Song „Who’ll Come with Me“ kletterte in den Niederlanden und in Belgien an die Spitze der Charts. Durch den frühen Tod der Mutter Barbara-Ann endete der Aufstieg jäh – die Familie zog erst nach Paris, dann wieder in die USA. Dennoch war die Liebe zur Musik weiterhin ungebrochen, die Combo nahm fleißig Alben auf.

 Eine Kontinuität kam erst 1989 auf, als sich die Familie in Köln auf einem Hausboot niederließ – mit dem Tonstudio an Bord konnten die Kinder weiter Platten aufnehmen. Die Zeitschrift „Bravo“ berichtete 1993 auf einer Doppelseite über die Band, die sich in ihren Liedern zunehmend rockiger zeigte. Das Album „Over the Hump“ bedeutete den endgültigen Durchbruch der Kellys, die nun nicht mehr auf Straßen, sondern in ausverkauften Hallen spielten. In Deutschland, Österreich und der Schweiz kletterte „Over the Hump“ an die Spitze der Charts, viermal wurde es mit Platin ausgezeichnet.

„Bravo“-Posterboy mit Suizidgedanken

 Vor allem Paddy und Angelo entwickelten sich zu Teenie-Idolen. Auch das nächste Album, „Almost Heaven“, das 1996 erschien, war mit drei Millionen verkauften Exemplaren ein voller Erfolg für die Gruppe, deren Markenzeichen die langen Haare und der alternative Kleiddungsstil der Mitglieder waren. Eine perfekte Marketingstrategie tat ihr Übriges: Informationen über die Band wurden gezielt der „Bravo“ zugespielt, das Schloss Gymnich, das die Familie 1998 erwarb, entwickelte sich zur Pilgerstätte für die Fans. (Weiterlesen: Patricia Kelly über ihr bewegtes Leben) 

Musikalisch konnte die Band dafür nicht mehr an den Erfolg von „Over the Hump“ anknüpfen, stattdessen emanzipierten sich die Musiker immer mehr von ihrem früheren Image – vor allem nach dem Tod des Vaters 2002. Paddy zog es vor, ins Kloster zu gehen, Joey widmete sich immer mehr dem Ausdauer- und Extremsport, andere Mitglieder versuchten, eine Solokarriere zu beginnen. 

In Interviews kritisierten die ehemaligen Teenie-Idole die mit ihrer Popularität verbundenen Einschränkungen in ihrem Privatleben, Jimmy und Paddy berichteten beispielsweise über Suizidabsichten. Gleichzeitig haben die früheren Mitglieder ein mögliches Comeback der „Kelly Family“ ausgeschlossen, das letzte Album „Hope“ erschien 2005.

Klassiker-Clan: die Bach-Familie:

Wenn der Begriff „musikalisch“ für eine Familie besonders zutreffend ist, dann für den Bach-Clan. Johann Sebastian Bach (1685–1750) wird von vielen als der bedeutendste Komponist der Geschichte angesehen. Es scheint, als hätte er sein musikalisches Talent bereits in die Wiege gelegt bekommen.

Johann Sebastian Bach stammte aus einer Familie, deren väterliche Vorfahren Kantoren, Organisten und Stadtpfeifer waren. Vater Johann Ambrosius trompetete in Eisenach in der Hofkapelle des Herzogs. 1735 gab Johann Sebastian Bach einen Überblick über die musikalische Expertise seiner Verwandtschaft: Im Werk „Ursprung der musicalisch-Bachischen Familie“ zählte er 53 Musiker mit dem Namen Bach auf. Anna Magdalena Bach , die zweite Ehefrau des Komponisten, war eine ausgebildete Sängerin. Aus seinen beiden Ehen resultierten insgesamt vier Söhne, die berühmte Komponisten wurden: Wilhelm Friedemann Bach, Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Christoph Friedrich Bach und Johann Christian Bach. Zu Lebzeiten erlangten sie sogar eine größere Bekanntheit als ihr Vater, dessen Musik erst ab dem 19. Jahrhundert stärker rezipiert wurde.

Als Musikerfamilie waren die Bachs zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert derart prägend in Mitteldeutschland, dass 1793 noch alle Stadtpfeifer in Erfurt „Bache“ genannt wurden, obwohl zu diesem Zeitpunkt kein Nachfahre der Familie mehr unter ihnen war. Als Bach von den 53 Musikern aus seiner Familie sprach, konnte er nicht wissen, dass nach seinem Tod auch noch weitere Verwandte und Nachkommen sich der Musik widmeten. Zudem kannte er viele entfernte Angehörige der Bach-Familie gar nicht, ein Überblick über den genauen Stammbaum lag nicht vor. Noch immer sind die ganzen Verzweigungen des Stammbaums nicht vollständig aufgearbeitet. Wissenschaftler gehen dementsprechend teilweise sogar davon aus, dass rund 200 Musiker aus der Familie Bach entstammten.