Ausstellung zeigt seine Welt Mit Büchners Augen

Von Christian Huther | 17.10.2013, 00:00 Uhr

Darmstadt ehrt Georg Büchner zum 200. Geburtstag. Die Ausstellung im „Darmstadtium“ zeigt die Welt, wie Büchner sie sah.

Teure Ringe und zerrissene Strümpfe hat Friedrich Schiller hinterlassen. Von Georg Büchner jedoch sind nur einige Porträtzeichnungen und eine Locke überliefert. Ohnehin starb er mit 23 Jahren viel zu früh, um mehr als eine Handvoll Werke zu schreiben. Wie stellt man sein Leben und Werk aus? Endlose Reihen von Vitrinen will heute niemand mehr begutachten.

Ralf Beil hat das Unmögliche möglich gemacht. Er lässt den Betrachter in Büchners Welt eintauchen und zeigt vieles von dem, was der Dichter gesehen, gehört und erlebt hat. Freilich musste Beil, der Chef des Darmstädter Instituts Mathildenhöhe, dafür ins Wissenschafts- und Kongresszentrum „Darmstadtium“ zwischen Universität und Schloss ausweichen, da die Mathildenhöhe renoviert wird. Ein Saal von nur 700 Quadratmetern wurde hergerichtet, um Darmstadts größten Sohn zum 200. Geburtstag zu ehren – der allerdings erst als Dreijähriger mit seiner Familie in die Residenzstadt gezogen ist.

Die Schau, der Höhepunkt des Büchner-Gedenkjahres, ist mit einem Etat von zwei Millionen Euro üppig ausgestattet und kann so aus dem Vollen schöpfen, mit 400 Exponaten, von einer Guillotine bis zum erotischen Kabinett. Sie spürt Büchners Welt von seiner Geburt am 17. Oktober 1813, dem zweiten Tag der Leipziger Völkerschlacht, bis zu seinem Tod am 19. Februar 1837 nach. Dabei orientiert sie sich an den Lebensstationen Darmstadt, der Studienzeit in Straßburg und Gießen, der anschließenden Flucht nach Straßburg und den letzten Monaten in Zürich.

Die Enge der Räume entspricht den damaligen Verhältnissen, vom Wohnen bis zur Politik. Georg Büchner jedoch wuchs als Arztsohn in bürgerlichen Verhältnissen auf. Im jetzt rekonstruierten Wohnzimmer lagen Shakespeare oder die Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“.

Aber die eigentliche Sensation übersieht man dabei fast, die drei wieder aufgetauchten Büchner-Porträts, die sein Studienfreund Alexis Muston in ein Skizzenbuch mit Bleistiftstrichen hingeworfen hatte. Nur so groß wie eine Briefmarke ist Büchners Kopf mit den ungestüm nach hinten gekämmten Haaren. Umstritten ist dagegen ein Bild, das vor einigen Monaten in Gießen gefunden wurde . Dieses vom Theatermaler August Hoffmann stammende Porträt zeigt Büchner als Herzensbrecher – und passt damit nicht in das bisherige Dichter-Bild. Ohnehin scheute man keine Mühen, um Büchners Kosmos anschaulich werden zu lassen. Ein Film spürt sogar seiner Promotion über das Nervensystem der Barben nach, bis hin zum Knacken der Schädeldecke beim Sezieren des Fisches, wie dies auch Büchner gehört haben muss.

Darmstadt, Wissenschafts- und Kongresszentrum Darmstadtium: „Georg Büchner – Revolutionär mit Feder und Skalpell“. Bis 16. Februar 2014. Di.–So. 10–18, Do. 10–21 Uhr. www.mathildenhoehe.eu