Ausstellung in Frankfurt Optimistische Bilder im Schlafzimmer

Von Christian Huther | 23.09.2018, 17:46 Uhr

Frankfurt Die junge georgische Kunstszene präsentiert sich in Frankfurt in der Schau „Lara protects me. Eine georgische Erzählung“

Eine mysteriöse Geschichte. Aber sie ist typisch für Georgien, dem eurasischen Land im Aufbruch, das lange von den Russen geknebelt, dann vom Bürgerkrieg zerfressen wurde. Inzwischen ist eine junge Generation herangewachsen, die energisch und hoffnungsvoll auf Veränderungen drängt. Da passt es, dass Mahret Kupka vor zweieinhalb Jahren in ihrem Hotelzimmer in der georgischen Hauptstadt Tiflis eine kleine Botschaft auf Englisch fand: „Mein Herz ist bei denen, die Dich beschützen. In Liebe, Lara“. Darunter stand als Datum der 1. Juni 2011, also lange vor Kupkas erster Reise nach Tiflis.

Aber Mahret Kupka, die Kuratorin für Mode, Körper und Performatives am Frankfurter Museum Angewandte Kunst, nimmt diese Botschaft als gutes Zeichen, als Ausgangspunkt für ihre Suche nach der heutigen georgischen Mentalität. Dazu lud sie zehn Künstler aus der Generation der 20- bis 40-Jährigen ein, denn Georgien ist das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse. Die Künstler arbeiten mit Fotos, Filmen, Comics, Zeichnungen und Sound sowie mit der Mode. Ohnehin fällt ihre ungewöhnlich enge Verbindung zur Mode auf.

Das junge Modelabel „Situationist“ von Irakli Rusadze etwa, das schon auf der Pariser Fashion Week aufgetreten ist, arbeitet mit dem 22-jährigen Künstler Giorgi Geladze zusammen, der die schlichten und klar konturierten Jacken mit schwungvollen Buchstaben bemalt hat.

Denn Georgien ist mitnichten nur russisch geprägt, wie man meinen könnte. Es hat eine eigene Sprache und ein eigenes Alphabet – und eine sehr schöne Schreibschrift, die aber im Computer-Zeitalter verkümmert.

Georgischer Aufbruch

Den georgischen Aufbruch am deutlichsten zeigt die 31-jährige Fotografin Dina Oganova, aber im privatesten Raum des Menschen, im Schlafzimmer. Oganova hat junge Menschen entspannt auf ihren Betten fotografiert, allesamt aus einer „besonderen Generation“ stammend, so die Künstlerin, nämlich aus der ersten Generation, die nicht unter der sowjetischen Herrschaft aufgewachsen sind. Die farbenfrohen Aufnahmen vermitteln ein freundliches Gesamtbild, auch wenn die Wandfarbe schon abblättert oder das Holzparkett abgetreten ist. Ein optimistischer Blick, den Oganova künftig alle zehn Jahre überprüfen will, wenn sie sich wieder mit den Menschen trifft, sie fotografiert und nach dem zwischenzeitlich Erlebten befragt.

Aufbauen und Abreißen

Das Bild der Straße aber wird von etwas anderem geprägt, vom ständigen Aufbauen und Abreißen – die berühmte Altstadt von Tiflis aus dem 5. bis 19. Jahrhundert wird zusehends von Hotels bedrängt, um mit mehr Touristen viel Geld zu verdienen. Wieder ist es Geladze, der das auf ein prägnantes Bild bringt, das eher Bauwillige verstehen, die schon Pflastersteine oder Bauschutt in großen, reißfesten Polyestertüten geschleppt haben. Zwei dieser unscheinbaren Tragtaschen hat er an die Wand genagelt, als seien es Spiegelbilder der Gegenwart..

Wie quirlig die Ideen der jungen Georgier sind, sieht man auch an der Patara Gallery in Tiflis, deren winzige Räume von zwei mal zwei Metern im Museum nachgebaut wurden. In Georgien gibt es viele unterirdische Fußgängerpassagen, in denen sich wiederum zahllose kleine Shops einnisten. Solch einen Shop mieteten zwei junge Künstlerinnen und zeigen nun dort seit anderthalb Jahren zeitgenössische Kunst. Es ist erst die dritte Galerie für moderne Kunst in der Stadt, die mehr als eine Million Einwohner hat. In Georgien tut sich also viel, die Szene brodelt ungleich stärker als in Europa.