Ausstellung der Nominierten Piepenbrock-Kunstförderpreis 2015: Ohne Mut zum Risiko

Von Dr. Stefan Lüddemann | 11.12.2015, 19:00 Uhr

Wandeln im Bambus-Hain, Suche nach Stille, die Kraft der Rituale – das Angebot einer Wellness-Messe? Nein, das sind zentrale Themen der Ausstellung zum Piepenbrock-Kunstförderpreis 2015. Den mutigen Ausgriff in ungewohnte Themenfelder wagen nur wenige Studierende.

Dabei kommt die aktuelle Ausstellung im Vergleich zu ihrem Vorgänger von 2014 allemal schlanker und griffiger, insgesamt auch qualitativ überzeugender daher. Weniger ist mehr: Mit nur noch 35 nominierten Studierenden ging das Fachgebiet Kunst der Universität Osnabrück in die Auswahl für den Piepenbrock-Kunstförderpreis. Vor einem Jahr waren noch 56 junge Frauen und Männer am Start. Die Reduktion betrifft auch die Ausstellungsräume. Das diesjährige Angebot wird nur im Gebäude des Fachgebietes selbst präsentiert. Nebenschauplätze entfallen. Die Konzentration zeitigt umgehend positive Effekte. Die Ausstellung wirkt insgesamt konzentrierter. (Hier weiterlesen: Landschaftsverband zeigt Kunst von Osnabrücker Studierenden). 

Rückzug in private Welt

Den ganz großen Ausgriff in Fragen des Themas und der Technik ihrer Kunst wagen gleichwohl nur wenige Studierende. Wer sich auf zentrale Themen einlässt, gewinnt schnell den Eindruck eines Rückzuges in eine überschaubare, private Welt. Garten Eden, Stille und Natur: Fast hat es den Anschein, als widmeten sich ausgerechnet angehende Künstlerinnen und Künstler lieber einer abgegrenzten, privaten Welt, als sich drängender Zeitprobleme anzunehmen. (Hier weiterlesen: So war die Ausstellung zum Piepenbrock-Kunstförderpreis 2013) .

Frage nach den Flüchtlingen

Marvin Knopf macht da eine der seltenen und deshalb umso dankenswerteren Ausnahmen. Sein Titel „Warum Grenzen und wenn ja, wie viele?“ klingt penetrant nach einem Bestseller-Titel des Philosophen Richard David Precht. Seine Installation aus Drahtgittern und Ketten funktioniert dennoch bestens. Knopf bespannt die Wände seines kleines Labyrinths mit bemalten Collagen und traut seiner Arbeit zu, die aktuelle Flüchtlingsthematik packend in Bild und Betrachtererfahrung umzusetzen. Ein Stück weit gelingt das sogar. Viel wichtiger: Knopf liefert eine mutige Arbeit ab und hilft damit der ganzen Ausstellung. (Hier weiterlesen: Piepenbrock-Förderpreis: Wer gewann vor einem Jahr?). 

Vitaminstoß für graue Tage

Das lässt sich von den anderen Positionen der im dritten Obergeschoss präsentierten Malerei nicht durchgehend sagen. Sicher, Rafael Kuhnert zeigt mit seinen „Transformationen“ konzeptionell gut gemachte Bilder über die Wirkung von Bildern, Lea Brüners „Landschaften mit Bambus“ überzeugen ebenso mit großen malerischen Qualitäten wie die „Obststillleben“ von Annika Krauss, die für einen Vitaminstoß an grauen Tagen sorgen. Aber wer hat es unterlassen, bei den „Menschlichen Figuren“ von Jemma MacDonald die Kitschbremse zu ziehen? (Hier weiterlesen: Piepenbrock-Kunstförderpreis - Ausstellung im Osnabrücker Schloss). 

Malerei im Obergeschoss

Das Fachgebiet Kunst mobilisiert mit Zeichensaal und Ateliers für die Malerei immer noch die repräsentativste Etage seines Gebäudes und bildet damit eine eigentlich längst obsolete Rangfolge der Kunstgattungen mit der Malerei an der Spitze ab. Dabei punktet seit Jahren die im Erdgeschoss untergebrachte Grafik mit starken Beiträgen. Das ist in diesem Jahr nicht anders. Brigitte Meyen präsentiert mit ihrer Edition „True Norwegian Black Metal“ die neben den Beiträgen von Marvin Knopf überzeugendste einzelne Arbeit. Man muss kein Anhänger der Black-Metal-Szene sein, um von der Kraft dieser intensiven Landschaftsbilder gepackt zu sein. (Hier weiterlesen: Rückblick - der Piepenbrock-Kunstförderpreis 2011). 

Rasante Entdeckungsreise

Auch die weiteren Grafikzyklen überzeugen. Das gilt insbesondere für Jan-Hendrik Brinkmanns „Das Kabinett des Herrn Brinkmann“ als eine rasante Entdeckungsreise durch die eigene Biografie und Christopher Abendroths Folge zum Kopf der Medusa. Das alles ist handwerklich gut gemacht und konzeptionell durchdacht. Und dennoch bleiben Fragen. Die betreffen nicht nur den bisweilen befremdlich engen thematischen Fokus vieler der ausgestellten Werke. Fragwürdig erscheint auch, was dem Entwicklungsstand der aktuellen Kunst gar nicht entspricht, wie sehr die Arbeiten nach Genres separiert sind. Fehlt da am Fachgebiet die Ermutigung für das Wagnis?

 Osnabrück, Universität, Fachgebiet Kunst, Seminarstr. 33: Piepenbrock-Kunstförderpreis. Ausstellung. 13. bis 16. Dezember, 10–18 Uhr.